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10/2015

Laborjournal

Hintergrund

16

Heimisch an der Uni

Homöopathie

„Das wissenschaftliche Denken kommt

im Medizinstudium sehr kurz. Ich wüsste

jetzt gar nicht, wo das überhaupt im Stu-

dium vorgekommen wäre”, erinnert sich

NathalieGrams.

Diese Klage hört man oft über die Me-

diziner-Ausbildung. Aber aus dem Mund

einer ehemaligenHomöopathin ist der Satz

besonders interessant. Grams führte viele

Jahre lang eine homöopathische Praxis.

Doch dann hat sie sich intensiv mit den

Grundlagen der Homöopathie beschäftigt

– und wollte ein Buch schreiben, das die

Lehre Hahnemanns ins rechte Licht rückt.

Ihr Buch „Homöopathie neu gedacht”

ist im Mai erschienen. Es ist aber ein ganz

anderes Werk geworden als geplant, er-

zählt Grams imGesprächmit

Laborjournal

(siehe Interview auf

Laborjournal

online:

http://tiny.cc/Grams

). Während der Re-

cherche kamen ihr nämlich zunehmend

ernste Zweifel, ob die Heilmethode, die sie

jahrelang praktiziert hatte, auf einem soli-

den Fundament steht. Schließlich gab sie

sogar ihre homöopathische Praxis auf. Eine

Methode, von der sie nicht mehr überzeugt

war, konnte und wollte Grams bei ihren

Patienten nicht mehr anwenden.

Ander Ludwig-Maximilians-Universität

München (LMU), wo die Ex-Homöopathin

vor vielen Jahren ihr vorklinisches Studium

absolviert hatte, ist der Erkenntnisprozess

noch nicht soweit vorangeschritten. Schon

vor zwanzig Jahren wurde an der LMU

ein Fachbereich Homöopathie eingerich-

tet, unter Leitung der Kinderärztin Sigrid

Kruse und mit finanzieller Unterstützung

der Karl-und-Veronica-Carstens-Stiftung.

Hauptzweck der Carstens-Stiftung: die

Förderung von Naturheilkunde und Ho-

möopathie.

Angehende Ärzte können an der LMU

Homöopathie als Wahlpflichtfach studie-

ren, im vorklinischen und im klinischen

Studienabschnitt. Die Uni-Homöo-

Hahnemanns Heilmethode

nistet sich in den Universitäten

ein, in Lehre und Praxis. Ein

Vorreiter für die Homöopathie

war und ist die Münchner Lud-

wig-Maximilians-Universität,

insbesondere das universitäre

Dr. von Haunersche Kinder­

spital. Wie rechtfertigt die

Elite-Uni ihre pseudowissen-

schaftlichen Eskapaden?

Foto: JLU Gießen / Fotolia (Claus Mikosch)