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6/2016

Laborjournal

NACHRICHTEN

10

Zahlreiche Zuckerkranke sind von

Diabetischer Retinopathie betroffen.

Dabei häufen sich mit der Zeit immer

mehr Schäden in den Blutgefäßen der

Netzhaut, so dass Patienten schließ-

lich erblinden können.

Antje Grosche

erforscht am Institut für Humangenetik

der Uni Regensburg die molekularen

Ursachen dieses Augenleidens. Kon-

kret hat sie Mikro-RNAs im Verdacht,

für die krankhaften Veränderungen

verantwortlich zu sein – und sucht

daher nach Wegen, um die kleinen

RNA-Moleküle mit neuen Therapien

gezielt ansprechen zu können. Freuen

darf sich Grosche jetzt über den

EYE-

novative Förderpreis

in der Kategorie

Grundlagenforschung, für den Novartis

ein Preisgeld von 25.000 Euro stiftet.

Alle zwei Jahre sponsert die Firma

Servier den mit 10.000 Euro dotierten

Franz-Loogen-Preis

. In diesem Jahr

geht er nach England an

Paulus Kirch-

hof

. Der Kardiologe hatte in Heidel-

berg studiert und gelangte dann über

berufliche Stationen in Münster und

Washington schließlich nach Birming-

ham. Dort erforscht er an der Universi-

tät Vorhofflimmern und Herzrhythmus-

störungen und ist den molekularen

Ursachen dieser Symptome auf der

Spur. Überdies spricht sich Kirchhof

für eine stärkere Rolle der personali-

sierten Medizin in der Kardiologie aus.

Bildgebung, Biomarker und genetische

Daten könnten in diesem Rahmen hel-

fen, die Situation vieler Herzpatienten

zu verbessern, prognostiziert er mit

Kollegen in einem Aufsatz.

Ebenfalls 10.000 Euro „schwer“

ist der von Lily Deutschland gestif-

tete

Werner-Creutzfeldt-Preis

der

Deutschen Diabetes Gesellschaft

(DDG). 2016 bekommt ihn

Annette

Schürmann

vom Deutschen Institut für

Ernährungsforschung (DIfE) bei Pots-

dam. Schürmann und ihr Team suchen

vor allem nach Genen, die die Entste-

hung von Diabetes mitverursachen,

wobei insbesondere Fettstoffwech-

sel und Glucosetransport im Fokus

stehen. „Nebenbei“ leitet sie zudem

die Optimierung und Validierung des

Deutschen Diabetes-Risiko-Tests®, der

als Screening-Instrument für Typ 2-

Diabetes fungiert.

-MR

E

-

Preise kompakt

Frisch gepreist...

Paul-Martini-Preis

Knochenmarksschutz

Unter dem Handelsnamen Contergan

erwarb sich Thalidomid vor über fünfzig

Jahren einen äußerst schlechten Ruf: Miss-

bildungen bei mehreren tausendNeugebo-

renen gingen damals auf sein Konto. Heute

kommt der Wirkstoff jedoch wieder zum

Einsatz – etwa alsMedikament gegen einen

Knochenmarkskrebs: dasmultipleMyelom.

Jan Krönke

erforscht die Funktionsweise

solcherWirkstoffe. Kürzlich veröffentlichte

der an der Uniklinik Ulm tätige Arzt und

Krebsforscher beispielsweise Resultate zu

Lenalidomid, einer Substanz, die demTha-

lidomid chemisch ähnelt. Mit Lenalidomid

lässt sich eineweitere Erkrankung des Kno-

chenmarks behandeln: das Myelodysplas-

tische Syndrom. Krönke und seine Koau-

toren zeigten, dass Lenalidomid dabei über

die Aktivierung einer Ubiquitin-Ligase den

Abbau der Caseinkinase 1 bewirkt. Auch

für dasMultipleMyelomhattenKrönke und

Kollegen nachgewiesen, dass Lenalidomid

die Ubiquitinierung zweier Proteine, IKZF1

und 3, initiiert. Unter anderem für diese Er-

kenntnisse bekamKrönke imApril denmit

25.000 Euro dotierten Paul-Martini-Preis.

For Women in Science

Forschen mit Kind

Seit zehn Jahren gibt es in Deutsch-

land das Förderprogramm „For Women in

Science“, umDoktorandinnenmit Kind bei

ihrem Karriereweg zu unterstützen. Die

Geförderten erhalten monatlich 400 Euro

für die Kinderbetreuung und bekommen

Weiterbildungen undCoachings finanziert.

Jeweils 10.000 Euro erhalten außerdemdie

Institute der Doktorandinnen. Initiatoren

des Programms sind dieUNESCO-Kommis-

sion, L‘Oréal Deutschland und die Christi-

ane Nüsslein-Volhard-Stiftung. Ausnahms-

weise geht die Förderung dieses Jahr an

drei Preisträgerinnen, die ihre Promotion

bereits abgeschlossen haben:

Proteinablagerungen im Gehirn

sind das Thema von

Irina Dudanova

am

Max-Planck-Institut für Neurobiologie

in Martinsried. Dabei geht es ihr um das

Verständnis neurodegenerativer Erkran-

kungen wie Alzheimer. Denn Proteine und

Peptide, die sich als Plaques in Nervenzel-

len ablagern, sind typisches Merkmal von

vielen dieser Erkrankungen.

Auch

Kate Lee

erforscht diese Pro-

teinaggregate. AmMax-Planck-Institut für

molekulare Zellbiologie und Genetik in

Dresden möchte sie herausfinden, warum

diese Proteine nur in bestimmten Zelltypen

verklumpen.

Am Max-Planck-Institut für mole-

kulare Biomedizin in Münster will

Yang

Liu

verstehen, wie es nach Knochenverlet-

zungen zu Schmerzen kommt. Dazu unter-

sucht sie die Interaktionen zwischen Ner-

ven und Blutgefäßen in Röhrenknochen.

Felix Burda Award

Darmgenom ruckzuck

Jährlich vergibt die Felix Burda Stif-

tung einen Preis, umProjekte aus verschie-

denen Kategorien der Darmkrebsvorsorge

zu würdigen. In der Sparte „Medizin &

Wissenschaft“ geht der 5.000 Euro-Preis

dieses Jahr an ein Team um

Peer Bork

vom EMBL in Heidelberg. Bork und Co.

haben das Darm-Metagenom imVisier und

überzeugten die Jury mit einem 2014 er-

schienenen Paper (

Mol Syst Biol

10:766), in

dem sie zeigten, dass sich die Zusammen-

setzung der bakteriellen Darmflora beim

Auftreten von Darmkrebs verändert – wie

auch, dass diese Unterschiede schon früh

nachweisbar sind. Zudem kommt es in der

Regel zu einemmetabolischen Shift: Wäh-

rend bei Gesunden Enzyme zur Verwer-

tung von Ballaststoffen dominieren, sind

im Tumor-befallenen Darm Stoffwechsel-

wege zur Umsetzung von Kohlenhydraten

und Aminosäuren deutlich aktiver. Kom-

biniert man nun den bislang üblichen

Guajak-basierten Stuhlbluttest mit einer

Metagenom-Analyse, verbessert sich die

Sensitivität der Diagnostik um 45 Prozent.

Weil das Sequenzieren von Stuhlproben im

Yang Liu

Foto: L‘Oreal