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6/2016

Laborjournal

NACHRICHTEN

8

Inkubiert

Private Drittmittel

Wie viel Transparenz?

Müssen Universitäten Drittmittelver-

trägemit privaten Geldgebern offenlegen?

Insbesondere, weil ansonsten die Gefahr

drohe, dass sich die Industrie mit Dritt-

mittelspenden Mitspracherechte an den

Universitäten erkaufen könnte – und damit

unweigerlichKonfliktemit der Forschungs-

freiheit entstehen würden?

Fragen, die sich gerade konkret an der

Uni Mainz besonders heftig entzündet ha-

ben. Immerhin handelt es sich bei den 150

Millionen Euro, die diese seit 2009 von

der Boehringer-Ingelheim-Stiftung zur

Gründung ihres Instituts für Molekularbio-

logie erhielt, um eine der höchsten Dritt-

mittelspenden in der Geschichte der BRD.

Seit die Boehringer-Stiftung bereits

im Juli 2015 mehrere Journalisten zur

Einsicht in die Verträge eingeladen hatte,

gärte der Verdacht, dass diese imGegenzug

von der Uni Mainz tatsächlich weitgehen-

de Mitspracherechte eingeräumt bekam.

Insbesondere soll die Stiftung bei den Be-

rufungsvereinbarungen mit Professoren

aktivmitreden und amEnde sogar ihr Veto

einlegen dürfen.

Weitere Anfragen zur Offenlegung der

Verträge wies die Uni Mainz jedoch ab.

Der Journalist und Politologe Thomas Leif

klagte daraufhin gegen die Universität –

und bekam jetzt vom Verwaltungsgericht

Mainz Recht. Allerdings sei demKläger nur

deswegen „Einsicht nach demLandesmedi-

engesetz einzuräumen, da die Stiftung die-

se anderen Journalisten [bereits] gegeben

hätte“ – heißt es in der Urteilsbegründung.

Ein genereller Anspruch auf Einsicht inVer-

träge mit Drittmittelgebern leite sich aus

der bestehendenGesetzeslage nicht ab und

wurde daher vom Gericht klar verneint.

Die Streiter für Forschungsfreiheit an

unseren Universitäten werden dies nicht

gerne hören.

In derMainzer Angelegenheit selbst be-

richtete die

FAZ

kurz darauf, Uni-Präsident

Georg Krausch habe bestätigt, „dass die

Boehringer-Stiftung Einfluss auf die Ver-

einbarungennehmen könne, diemit den an

das Institut zu berufenden Professoren ge-

schlossen würden“. Man könne von einem

„Vetorecht“ sprechen, so Krausch.

Nicht nur der Deutsche Hochschulver-

band sieht darin einen groben Verstoß ge-

gen die Hochschulgesetzgebung, wenn er

dazu schreibt: „Außerhalb der Hochschule

stehende Personen [...] haben keine Be-

fugnisse innerhalb eines Berufungsverfah-

rens.“ Vielmehr scheint die Debatte umdie

Transparenz von Kooperationen zwischen

öffentlichen Universitäten und privaten

Förderern gerade erst eröffnet.

Forschung und Innovation

So gut wie nie!

Alle zwei Jahre präsentiert das BMBF

den „Bundesbericht Forschung und Inno-

vation“. Mitte Mai war es wieder soweit.

Jedoch wurde er diesmal gleichsam als

Antwort der Bundesregierung auf das ak-

tuelle Gutachten der Expertenkommission

Forschung und Innovation (EFI) verkauft,

das im Februar der Bundeskanzlerin über-

reicht wurde.

Wie auch immer, zumindest nach den

Wortender Zusammenfassung des Berichts

ging es „Forschung und Innovation“ hier-

zulande noch nie so gut wie jetzt. „Niemals

zuvor wurde demnach in Deutschland so

viel in Forschung und Entwicklung in-

vestiert wie heute“, heißt es darin. Konkret

steht der „Rekordwert“ von 84 Milliarden

Euro für das Jahr 2014 zu Buche.

„In Deutschland sind erstmals mehr

als 600.000 Menschen in Forschung und

Entwicklung (FuE) tätig“, steht an anderer

Stelle. Also auch so viel wie noch nie.

Und noch ein Zitat: „30 Prozent aller

FuE-Ausgaben in der Europäischen Union

tätigt Deutschland. [...] Deutschland ist

damit das Schwergewicht bei Forschung

und Entwicklung in der EU. Auch weltweit

gehört Deutschland zu den Innovations-

führern. Dies belegt zumBeispiel der neue

Spitzenwert bei der Exzellenzrate wissen-

schaftlicher Publikationen: Jede sechste

wissenschaftliche Veröffentlichung aus

Deutschland gehört zu den international

am häufigsten zitierten Arbeiten.“

Stopp!

Diese

„Exzellenzrate“ war vor

hundert Jahren sicher noch mehr „spitze“.

Zum Glück wurden jedoch damals noch

keine Zitierungen gezählt.

-

RN

-

Fokussiert...

RALF NEUMANN

Arbeitsgruppen werden aufgelöst,

Lehrstühle umgewidmet, Institute

und Zentren geschlossen, Verbund-

projekte vorzeitig abgewickelt,… All

das passiert immer wieder in der

Forschung – und ist auch normal.

Denn nur so kann man dynamisch

auf aktuelle Entwicklungen reagieren.

Oder Projekte und Initiativen stoppen,

die sich plötzlich als Sackgasse erwei-

sen. Schlimm ist das natürlich für die

jeweiligen Mitarbeiter, denen quasi

der Boden unter den Füßen wegge-

zogen wird; und die den anvisierten

„Auffangmaßnahmen“ – oftmals

berechtigterweise – nur wenig trauen.

Sofern es überhaupt welche gibt. Im-

mer wieder bekam unsere Redaktion

daher entsprechend empörte Anrufe

von Leuten, die gerade mitgeteilt be-

kommen hatten, dass deren Gruppe/

Institut/Projekt/… demnächst abge-

wickelt würde. Völlig überraschend

und natürlich komplett unberechtigt.

Man habe doch veröffentlicht, sei

doch auch belobigt worden – und jetzt

diese Katastrophe… Wir fragten dann

immer nach der Begründung für den

Stopp. Und ob es nicht einen Evaluie-

rungsbericht oder eine Stellungnah-

me zu der Entscheidung gebe. „Ja,

schon“, sagte der Anrufer dann meist.

„Aber da komm’ ich als einfacher Mit-

arbeiter nicht dran. Vielleicht könnten

Sie da ja was rauskriegen. Deswegen

rufe ich ja an.“ Oftmals versprach

unser Redakteur dann, tatsächlich

„mal nachzuhaken“ – was in einem

der letzten, „typischen“ Fälle auch

geschah. Zuerst rief unser Redakteur

beim BMBF an. Den Bericht der letz-

ten „Negativ“-Evaluation rückte der

Mitarbeiter zwar nicht heraus, aber

immerhin verriet er, wer der Evalu-

ierungskommission vorsaß. Also rief

unser Redakteur anschließend bei die-

sem „Vorsitzenden“ an. Zwei Minuten

nur dauerte das Gespräch. Als unser

Redakteur geschildert hatte, dass er

gerne mehr über die Gründe des Pro-

jektstopps erfahren wollte, antwortete

der Vorsitzende nur kurz und knapp:

„Es ist zwar kein Ruhmesblatt für die

Projektauswahl des BMBF, aber ich

sag‘s Ihnen trotzdem ganz ehrlich: Die

waren einfach schlecht!“ Auch das

gibt‘s leider häufiger.

Foto: Fotolia / Marco2811