Laborjournal 2017-08

| 9/2017 14 Hintergrund Tierversuche in der Warteschleife Jena ist ein schönes Städtchen mit liebevoll restaurierter Altstadt, urigen Kneipen, einem wundervollen botanischen Garten samt ural- temBaumbestand sowie der durchaus bekann- ten Friedrich-Schiller-Universität. Alles wirkt gemütlich. Doch hinter den Türen der Univer- sitätsklinik brodelt es erheblich.„Insgesamt ist die Lage für die Jenaer Lebenswissenschaftler verzweifelt“, schreiben Wissenschaftler in ei- nem Brief an den Thüringer Ministerpräsiden- ten Bodo Ramelow. Und: „Wir fürchten nicht bloß um den erfolgreichen Abschluss eigener Projekte, sondern umdie Zukunftsfähigkeit des Standortes.“ Die Jenaer Mediziner und Biologen sind stinksauer. Sie hadern mit demThüringer Lan- desamt für Verbraucherschutz, TLV. Das steht, nagelneu und schick, in der idyllischen Rosen- stadt Bad Langensalza an der Deutschen Fach- werkstraße. Zu den hoheitlichen Aufgaben des TLV gehört es, über dieTiergesundheit und den Tierschutz zu wachen. So prüfen die TLV-Mit- arbeiter etwa Schweine- oder Hühnerställe auf vorschriftsmäßige Haltung und beobachten die Verbreitung von Krankheitserregern bei Haus- undWildtieren. Darüber hinaus sind sie aber auch für die Beurteilung von Anträgen auf Tierversuche zuständig. Ein Amt tut nicht, was es soll Nun sollte man meinen, dass das TLV – frei nach Schiller –„tut, was seines Amtes ist“. Doch genau das tut es eben nicht, ärgern sich die Thüringer Lebenswissenschaftler. Turmhoch sollen sich inzwischen die Anträge auf Tierver- suche auf den Schreibtischen der zuständigen Tierärzte und Sachbearbeiter stapeln. Einer der frustrierten Forscher schilderte diese Situati- on schließlich der Laborjournal -Redaktion in einer anonymen E-Mail – und wir begannen zu recherchieren. DieWissenschaftler, zu denen wir Kontakt aufnahmen, erklärten durchweg, das Thema sei von höherer Stelle mit dem Prädikat„nicht öffentlich“ versehen worden. Sie wollten da- her ihre Namen nicht im Laborjournal lesen, er- zählten aber dennoch, dass es mit ihren Anträ- gen tatsächlich nicht vorwärts ginge. Nach de- ren weitgehend übereinstimmender Meinung scheine die Leitung der Universitätsklinik zu befürchten, dass sie beimsensiblenThemaTier- versuche eher ins Kreuzfeuer der Öffentlich- keit geraten könne, statt von den Bürgern Un- terstützung zu bekommen. Tierversuche sind eben einfach kein gutes PR-Thema. Besonders nicht in Jena, wo gerade erst vor einem Jahr In Thüringen stapeln sich die Anträge auf Tierversuche schon seit einiger Zeit unverhältnismäßig hoch. Viele Projekte sind deshalb blockiert. Jetzt gehen die Forscher auf die Barrikaden. Laborjournal hat nachgefragt. Foto: iStock / filo

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