Laborjournal 2017-08

| 9/2017 50 Special: Gene Editing CRISPR/Cas für alle? Herrscht Friede, Freude, Eierkuchen im Gene-Editing -Himmel? Nicht wirklich. Hinter den Kulissen der Weltretter- Euphorie, irgendwo zwischen„CRISPR/Cas heilt Krebs“ und„CRISPR/Cas beendet den Hunger auf der Erde“, toben seit nunmehr fünf Jahren erbitterte Kämpfe um Rechte und Patente. Die Kontrahenten sind auf der einen Seite die als CRISPR/Cas-Entdeckerinnen gefeierten und vielfachmitWissenschaftspreisen ausgezeich- neten Emmanuelle Charpentier (Frankreich/ Deutschland) und Jennifer Doudna (USA), auf der anderen Seite der möglicherweise unter- nehmerisch pfiffigere US-Biotechnologe Feng Zhang vom Broad Institute des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Wie kam es dazu? Wieso zoffen sich er- wachsene Menschen, hoch angesehene For- scherpersönlichkeiten noch dazu, wegen einer schlichtenwissenschaftlichenMethodewie die Kinder im Sandkasten? CRISPR-Krawall: Was soll das? Für die berühmte Veröffentlichung der CRISPR/Cas-Idee in Science im Jahr 2012 ( doi: 10.1126/science.1225829 ) kooperierten sei- nerzeit Doudna von der University of Califor- nia (UC) in Berkeley sowie Charpentier, die zu diesem Zeitpunkt an der Umeå University in Schweden forschte. Noch imgleichen Jahr mel- deten einerseits die UC als auch Charpentier die Gen-Schere CRISPR/Cas, das„bakterielle Im- munsystem“, für alle Arten von Zellen in den USA zum Patent an. Da Charpentier damals in Schweden angestellt war (seit 2015 ist sie Di- rektorin am MPI für Infektionsbiologie in Ber- lin), ging das Patent nach Landesrecht nicht an ihren ehemaligen Arbeitgeber in Umeå, son- dern an sie persönlich. In denmeisten anderen Ländern ist dagegen der Arbeitgeber, sprich: das Forschungsinstitut, Träger der Patente, die „ihre“ Forscher erarbeitet haben. Eilantrag: Unfair oder clever? Zur gleichen Zeit tüftelte Zhang in seinem MIT-Labor und zeigte nur wenigeMonate nach Charpentier/Doudna, dass die ursprünglich prokaryotische Genschere auch in eukaryoti- schen Zellen funktioniert ( doi: 10.1126/scien- ce.1231143 ). Und so wandte sich auch das Bro- ad Institute an die Patentzulassungsbehörde, und zwar – hier wird es pikant – mit einem Eil­ antrag. Ein solcher kostet zwar mehr als ein nor- maler, wirddafür aber auch schneller bearbeitet. Clever, magman denken. Andererseits: Das Gespann Charpentier/Doudna hatte ihren An- trag ja nun einmal eher eingereicht und dieMe- thode nicht nur als erste veröffentlicht, sondern auch allumfassend zumPatent angemeldet. Lo- gisch, wer da das Patent bekommt. Oder? Hat Feng Zhang vom Broad Institute als Zweiter letztlich doch die Nase vorne? Foto: Kent Dayton/NSF Die DNA-Schere CRISPR/Cas zerschneidet nicht nur Gene, sondern auch Forscherfreundschaften – wie seit Jahren schwelende Patentkonflikte zeigen. CRISPR/Cas – sch(n)eiden tut weh der streit Ums MilliardenPatent

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