Laborjournal 2017-10

| 10/2017 14 HINTERGRUND Biologisch-technische Assistenten ohne Zukunft oder Zukunft ohne biologisch-technische Assistenten? Die technischen Assistenten (TA) in Naturwis- senschaften, Medizin und Pharmazie stehen nicht gerade im Rampenlicht der Forschung. Im Gegenteil, sie sind eher„in den Tiefen“ des Labors tätig. Immerhin dringen im Allgemei- nen keine Klagen über deren Qualifikationen aus den Laboren. Und auch sie selbst scheinen mit ihrer Rolle grundsätzlich zufrieden zu sein. Aus akademischer Sicht bekommt der Be- ruf desTAmeist nur dann etwasmehr Aufmerk- samkeit, wenn jemand ein naturwissenschaft- liches Studium abbricht oder nach einem Ba- chelorabschluss aufgrundmangelnder akade- mischer Perspektiven nach beruflichen Alterna- tiven sucht. Dabei würden zweifelsohne man- che Karrieren von Akademikern ohneTA sicher anders verlaufen. [Wegen der besseren Lesbar- keit wird hier diemännliche Formverwendet. Die weibliche Form ist immer mit eingeschlossen.] Schauen wir uns also die Fakten an. Schon die Fragen nach der beruflichenAusbildungder staatlich geprüften biologisch-technischen As- sistenten (kurz BTA) oder nach aktuellen Zah- len über deren Beschäftigungssituationwerden schnell heikel. Selbst Experten, die den Unter- schied zwischen der BTA, dem staatlich geprüf- tenmedizinisch-technischen Laborassistenten (MTLA) und dem Biolaboranten kennen, sind oftmals kaum auf Anhieb dazu fähig, valide Informationen zu liefern, die über die Gren- zen eines Bundeslandes, über postfaktisches Wissen oder ein Bauchgefühl hinaus gehen. Wenigstens liegt seit der„Klassifikation der Berufe 2010“ (KldB 2010), die laut Bundesagen- tur für Arbeit die aktuelle Berufslandschaft in Deutschland realitätsnah abbildet, eine klare Definition der Rahmenbedingungen und Tä- tigkeitsbeschreibungen der BTA vor. Sowerden sämtliche Berufe imbiologisch-technischen La- boratorium je nachTätigkeiten unter verschie- denen KldB-Nummern aufgelistet; fachlich aus- gerichteteTätigkeiten von BTA fallen demnach unter die KldB-Nummer 41212 ( siehe Tabelle S. 16 ). Da die komplexen Spezialistentätigkei- ten unter KldB 41213 oder erst recht die hoch- komplexen Tätigkeiten wie KldB 41214 eher Akademikern zugesprochen werden, verein- facht sich die Betrachtung der BTA auf die Be- rufsgruppe KldB 4121 – wenn möglich auf die KldB 41212 oder KdlB 4121 mit anerkanntem Berufsabschluss. Schülerzahl nimmt ab Allerdings werden auf diese Weise die 202.509 anderen TA, die ebenfalls im biologi- schen Labor tätig sein können, nicht näher be- trachtet. Darunter fallen chemisch-technische (CTA), medizinisch-technische (MTLA, MTAR, MTAF und VMTA) und pharmazeutisch-tech- nische Assistenten (PTA, Tabelle 1) – sowie in wesentlich kleiner Anzahl zytologisch-techni- sche (ZTA), umwelttechnische (UTA) oder land- wirtschaftlich-technische Assistenten (LTA). Ende des Jahres 2016waren inDeutschland unter der KldB 4121 genau 30.535 Personenmit Beruf imbiologisch-technischen Laboratorium sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Davon waren 8.255männlich und 22.280weiblich. Das Geschlechterverhältnis zeigt, dass es sich insbe- sondere bei den Assistentenberufen in Natur- wissenschaft, Medizin und Pharmazie um die einzige Berufsgruppe im sogenannten MINT- Bereich handelt, die nachweislich von Frauen dominiert ist. Dabei sind unter den Berufen im biologisch-technischen Labor mit 8.296 über einViertelTeilzeitbeschäftigte subsummiert. Ei- nen anerkannten beruflichen Abschluss besit- zen 19.994 im biologischen Labor Beschäftig- te, 6.936 verfügen über einen akademischen Abschluss. Zur gleichen Zeit waren 881 Perso- nen mit anerkanntem Berufsabschluss für das biologisch-technische Labor arbeitslos (4 Pro- zent) – imVergleich zu den 2.019 arbeitslosen akademischen Experten (29 Prozent). Schlägt man die 2.526 geringfügig Be- schäftigten im biologisch-technischen Labor der fachlich ausgerichteten Berufsgruppe mit anerkanntem Berufsabschluss zu, entfallen im Schnitt dreizehn Laborfachkräfte auf vier Akade- miker in jedemLabor. Dies ist einVerhältnis, das sich in etwa in der Personalstruktur von biolo- gischen Instituten der Max-Planck-Gesellschaft oder der Fraunhofer-Gesellschaft spiegelt. Kommenwir zur Ausbildung. Die berufliche Ausbildung von BTA und CTA ist landesrecht- Illustr.: A. Korkis VON HARTMUT BÖHM, HILDEN Abnehmende Schülerzahlen, akademische Quereinsteiger und zunehmende Digitalisierung erhöhen den Druck auf den klassischen Ausbildungsberuf des biologisch-technischen Assistenten (TA). Bleibt er gar bald vollends auf der Strecke?

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