Laborjournal 2017-11

| 11/2017 16 Hintergrund Manchmal verbirgt sich ein echter Schatz un- ter den Aberdutzenden von E-Mails, die unser Redaktions-Postfach täglich fluten. Als solch einer sollte sich auch diejenige Mail entpup- pen, die wir bereits vor einiger Zeit erhielten – und die mit der schlichten Frage begann:„Was braucht ein Mediziner, um sich hierzulande zu habilitieren?“ „Eigentlich sollteman dasWesen der Habili­ tation und ihrer Voraussetzungen auf einer hal- benDINA4-Seite in großer Schrift auflisten kön- nen“, schrieb der Verfasser weiter. Ja, eigentlich ! Aber jeder vom Fach weiß natürlich, dass das nicht so ist. Denn, so unser Autor weiter,„deut- sche Habilitationsordnungen sind nun mal ju- ristische Texte – und dazu noch auf gewisse Weise Initiationshandbücher .“ Und wem nicht klar sei, was er damit meinte, dem empfahl er, sich als besonders„eindrucksvolles“ Beispiel für ein solches Handbuch ruhig mal die Habilita- tionsordnung der TU München anzuschauen. Gut. Damit war das Vorgeplänkel vorbei – und der Verfasser kam zur Sache:„Neben dem üblichen lästigen Formularkramder deutschen Wissenschaftsbürokratie und so unnötigenDin- gen wie Lehrnachweisen ist des Pudels Kern ja mittlerweile, wie viele Publikationen für die Zulassung zur Habilitation nötig sind.“ Und zu deren Evaluation haben die deutschen Medi- zinischen Fakultäten – man höre und staune – mittlerweile den Journal Impact Faktor (JIF) entdeckt. Aus Ausweich- wird Dauerlösung Zu denMedizinischen Fakultäten und dem JIF zunächst jedoch ein kleiner Exkurs. Drei- zehn Jahre ist es jetzt her, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Medizini- schen Fakultäten empfahl, den JIF als Evaluati- onskriterium in eine leistungsorientierteVerga- be der zugeteilten Landesmittel miteinzube- ziehen. Damals schrieb sie:„Die Übertragung der Entscheidungsverantwortung für die zu- geteilten Landesmittel an die Hochschulklinika hat zur Folge, dass die Medizinischen Fakultä- ten ein geeignetes Instrumentarium zur hoch- schulinternenVergabe dieser Mittel nach Leis- tungskriterien entwickeln müssen, wenn sie internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern wollen. […] Die Forderung, an den Medizini- schen Fakultäten einen Teil des Zuführungs- betrags leistungsorientiert zu vergeben, ist bis heute nur unzureichend umgesetzt worden.“ Doch wie Leistung messen? Neben dem Abschneiden beim Einwerben kompetitiv ver- gebener Drittmittel sollten – klar! – die jewei- ligen Publikationen als Leistungsnachweis dienen. Und als Hilfsmittel, um deren Quali- tät vergleichend beurteilen zu können, schlug die DFG letztlich den JIF vor. Dies allerdings mit deutlich vernehmbarem Zähneknirschen. Wörtlich schrieb sie in ihren damaligen Emp- fehlungen: „Die formelle Festlegung der Verwendung des Impact Faktor als Maßstab für die Qualität wissenschaftlicher Publikationen ist […] pro- blematisch und kann nur im Zusammenhang mit anderen Kriterien erfolgen. […] Sinnvol- Der Journal Impact Faktor taugt nicht viel zur Bewertung individueller Publikationsleistungen – das weiß inzwi- schen fast jeder. Dennoch spielt er bei den Habilitationskriterien der Medizinischen Fakultäten in Deutschland weithin eine tragende Rolle. Auch wenn diese sich insgesamt als ziemlicher Gemischtwarenladen präsentieren. Mediziner-Habil durch Erbsenzählen

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