Laborjournal 2017-11

11/2017 | 3 Editorial Da war sie wieder, die Frage: „Wie findet ihr eigentlich eure Themen?“ Leser stellen sie in schöner Regelmäßigkeit, freieMitarbeiter und Praktikanten sowieso. „Puh, da gibt es viele verschiedeneWege“, antwortete unser Chefredakteur.„Kommt bei- spielsweise auch darauf an, umwelche Rubrik es sich handelt.“ Eben. So lassen sich etwa Journal Club- Themen am einfachsten in den Pressemittei­ lungen der Forschungsinstitute oder Zeit- schriften aufspüren. Öfter allerdings scree- nen wir auch eigenhändig die gängigen Literatur-Datenbanken nach frisch veröffent­ lichten Papern – und versuchen aus Titeln und Abstracts selbst „herauszulesen“, wel- che Werke samt ihrer Autoren besonders Spannendes zu bieten haben. Bei anderen Rubriken dagegen liegt es ziemlich auf der Hand, auf welche Weise sie ihre Inhalte bekommen: Nachrichten, Buchbesprechungen, Specials, Publikations­ vergleich,…Und unsere Kolumnen-Schreiber suchen sich ihre Themen sowieso selbst – meist im Fundus ihrer eigenen Erlebnisse oder des eigenen Umfelds. „Ja ja, schon klar“, meinte der Anrufer.„Ich meine aber vielmehr die kritischen und kon­ troversen Themen. Das, was bei euch meist als etwas längerer Artikel im »Hintergrund« oder auch mal in der »Wirtschaft« erscheint.“ Tja, auch die finden wir manchmal auf solch „unromantische“ Weise – et- wa über öffentlich verfasste Meldungen, Stellungnahmen oder Positionspapiere. Aber nur manchmal. Und meistens resultieren da- raus dann auch nicht genau die Art Artikel, die der Anrufer wohl im Sinn hatte. „Die unserer Meinung nach spannends- ten Artikel, für die wir oftmals auch die meis- ten Reaktionen bekommen, entstehen in al- ler Regel dadurch, dass uns jemand kon- taktiert und erzählt, was ihm gerade ganz besonders unter den Nägeln brennt“, fass- te der Chefredakteur zusammen, was er im Gegensatz dazu unter der „romantischen“ Weise versteht, zu Artikelthemen zu kommen. Zuletzt lief das wieder ganz gut, dachte der Chefredakteur daraufhin. In den beiden Heften nach dem Sommer hatten wir gleich einigeThemen, die uns entsprechend empör- te, genervte oder besorgte Leser direkt zuge- tragen hatten: dieVerschleppung der Tierver­ suchsanträge inThüringen ( LJ 9/2017: 14-17), diemehr als ungewisse Zukunft des TA-Berufs ( LJ 10/2017: 14-16), oder der Streit um die Wirksamkeit von Stammzelltherapien bei der Herzmuskel-Regeneration nach einem Infarkt ( LJ 10/2017: 18-21). Auch in diesem Heft haben wir wieder solch ein „romantisches“ Thema: Die ab- surde Art und Weise, mit der die hiesigen Medizinischen Fakultäten den Journal Impact- Faktor für ihre Habilitationsordnungen rekru- tieren. Ein konsternierter Leser stellte selbst die entsprechende„Tabelle der Absurditäten“ zusammen – und schickte sie uns mit dem Auftrag: „Jetzt schreiben Sie dazu einen gu- ten Text – und ich bin sicher, das Ganze wird für ziemliches Aufsehen sorgen.“ Gesagt, getan (S. 16 ff.).Wir sind gespannt! Und auf ganz ähnliche Weise sind aktu- ell noch zwei weitere Themen ins Rollen ge- kommen, die wir hoffentlich beide im nächs- ten Heft präsentieren können. Mehr verraten wir darüber hier natürlich noch nicht. AmEnde des Gesprächs hatte der Anrufer also nicht einfach nur erfahren, wie wir zu Themen kommen – sondern vielmehr, wie wir am liebsten zu unserenThemen kommen. Vielleicht haben Sie ja auch gerade eines, das Ihnen unter den Nägeln brennt. Und tun uns damit schon bald einen„romantischen“ Gefallen…? Neulich in der Redaktion… Illustr.: Fotolia / freshidea

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