Laborjournal 2017-11

| 11/2017 50 Wirtschaft Am 30. April 2008 reichte der Pflanzenschutz­ mittelhersteller und Saatgutzüchter Syngenta beim Europäischen Patentamt einen Patent­ antrag für „insektenresistente Pflanzen“ ein (EP2140023). Hinter dem allgemein gehalte- nen Namen versteckt sich ein Patent für eine Paprika-Pflanze, die besonders gegendieWeiße Fliege ( Bemisia tabaci ) resistent ist – eine ge- fürchtete Plage für Gemüsebauern und deren Erzeugnisse. Die Bioingenieure von Syngenta fanden die Samen einer wilden Paprika-Pflanze aus Jamaika in der Saatgutbank Centre for Genetic Resources (CGN) im niederländischen Wageningenund kreuztenderen Eigenschaften in eine Paprika-Gemüsesorte ein. Dabei stellten sie die Präsenz der Insektenresistenz mit dem Nachweis von insgesamt sieben verschiedenen „QuantitativeTrait Locus“ (QTL)-Markern sicher. Das Patent auf die so gezüchtete Pflanze wur- de am 8. Mai 2013 akzeptiert; Syngenta sicher- te sich somit das exklusive Vermarktungsrecht an der Paprika. Am 3. Februar 2014 jedoch erhob die Ko- alition„Keine Patente auf Saatgut“ aus 14 eu- ropäischen Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) gegen das Patent Einspruch. Eine An- hörung beider Seiten durch das Europäische Patentamt wurde auf unbestimmte Zeit ver- schoben. Der Grund dafür liegt in der Eskalation eines jahrelangen Streits um solche „ Native Trait “-Pflanzenpatente: Nach zwei Urteilen der Obersten Beschwerdekammer des Patent­ amts über die Patentierbarkeit konventionell gezüchteter Schrumpeltomaten für die Ket- chup-Produktion (EP1211926) und von mar- Kampf ums Patent Sojaernte in Brasilien. Foto: Alfribeiro/iStockphoto Seit sich Biotechnologen für die Optimierung von Pflanzen interessieren, streiten sich traditionelle Züchter und die agrochemische Industrie um Patente. Das Europäische Patentamt stiftet derweil noch mehr Verwirrung. Doch was wollen die verschiedenen Züchter-Gruppierungen eigentlich? Ein Feature von Florian Fisch.

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