Laborjournal 2018-01/02

| 1-2/2018 14 Hintergrund Foto: KQED Science Jörg Klug hat ein Anliegen: „Ich möchte in- teressierten Menschen die Möglichkeit verschaffen, moderne molekulargeneti- sche Labormethoden in der Praxis kennen- zulernen.“ Nicht zuletzt, so das Credo des Zellbiologen von der Uni Gießen, könne man auf diese Weise auch dazu beitragen, offen- kundige Missverständnisse und Ängste der Öffentlichkeit rund um die Gentechnik ab- zubauen. Und Jörg Klug verfolgt dieses Ziel durchaus aktiv: Seit 2002 leitet er zusammen mit dem Kasseler Genetiker Wolfgang Nellen das Projekt Science Bridge , das insbesondere aktuelle molekularbiologische Experimente mit Schülern, Lehrern und auch der allge- meinen Öffentlichkeit durchführt. Vor diesem Hintergrund ist kaum ver- wunderlich, dass auch Klug und seine Scien- ce-Bridge -Mitstreiter schnell auf diesen ganz bestimmten Kit der US-Firma The Odin auf- merksam wurden. Unter dem Namen „The CRISPR Cas 9 Bacterial Genome Editing Kit“ versprach TheOdin einen Gentechnik-Baukas- ten, der alleWerkzeuge und Zutaten enthält, um in Bakterien des Streptomycin-sensitiven E. coli -Stamms HME63 ein Gen so zu editie- ren, dass sie Streptomycin-resistent werden und auf Streptomycin-Platten wachsen kön- nen – für den Do-It-Yourself -Versuch im Inter- net bestellbar.„Damit CRISPR/Cas- Gene Editing im Schulunterricht praktisch durchführen – das wär’ schon was“, dachte man bei Science Bridge . Und so orderten Klug und Co. den Kit umgehend bei The Odin . Schulfrei in Deutschland Eines war den Hessen dabei jedoch von Anfang an klar: Im Klassenzimmer würden sie den Odin -Versuch nicht durchführen können, ja nicht einmal in einem„normalen“ Schulla- bor. Da der Kit auch Sequenzen verwendet, die nicht direkt aus E. coli stammen, handelt es sich bei dem Experiment nicht um eine Selbstklonierung – weswegen es im Gegen- satz zur Situation in den USA nach dem deut- schen Gentechnikgesetz zwingend in einem gentechnischen Labor der Sicherheitsstufe 1 (S1) durchgeführt werden muss. Kopfschmerzen machte das den Science Bridge -Leuten jedoch nicht wirklich. Denn zum einen gibt es durchaus Schulen, die über ei- gene S1-Labors verfügen – und zum anderen kann Science Bridge auch Schulklassen in den eigenen S1-Praktikumsräumen der Universi- tät Kassel arbeiten lassen. Dennoch sollten die „Kopfschmerzen“ mit dem Odin -Kit bald beginnen – konkret schon mit dem ersten Probe-Plattieren der aus dem Lyophilisat wiederbelebten Coli-Bak- terien. Heike Ziegler, Genetikerin undWissen- schaftliche Koordinatorin von Science Bridge an der Uni Kassel, berichtet:„Wir haben direkt visuell festgestellt, dass auf den Agar-Platten mindestens drei verschiedene Morphologien von Bakterienkolonien sichtbar waren, was eindeutig für eine Mischkultur sprach. In Zu- sammenarbeit mit der Mikrobiologie haben wir für die‚Hauptform’dann festgestellt, dass Im letzten Jahr fand man in einem kommerziellen Do-It-Yourself -Kit zum CRISPR- Genome Editing potentiell pathogene Bakterien. Dessen Einfuhr aus den USA nach Deutschland wurde daraufhin verboten. Inzwischen gibt es jedoch noch mehr Fragezeichen zu dem Kit und seinem Anbieter. Kein Ge-CRISPR im Kit

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