Laborjournal 2018-01/02

| 1-2/2018 18 Hintergrund Folglichwandte sich Court mit diesemFall an dieTechnologietransfer-Stelle des NIH.„Was mich wirklich umtreibt, ist die Tatsache, dass diese Firma offenbar irgendeinen Junk ver- treibt, den siemit HME63 etikettieren“, schreibt er. „Und die Leute glauben, ich hätte denen den Stamm zur Verfügung gestellt. Da sie ihn auch noch für CRISPR-Experimente einsetzen, ist das Ganze jetzt ein besonders heißes The- ma. Denn plötzlich bekomme ich von vielen Labors Anfragen nach HME63.“ Also wies Rose Freel, Technologietrans- fer-Beauftragte des NIH, Zayner in einer Mail darauf hin, dass TheOdin die HME63-Colis vom NIH für seine kommerziellen Zwecke einlizen- zieren müsse. Falls das nicht geschehe, müs- se sie fordern, dass die Firma sämtliche Refe- renzen auf„das NIH-Material“ von ihrer Web- seite entferne. Schließlich verkaufe Odin nach dem Stand der Dinge in dem Kit offenbar kei- nen HME63 – aber dennoch würden sämtli- che Fehlschläge damit dem NIH-Stamm zu- geschrieben. Von irgendeiner Reaktion Zayners auf ihr Schreiben konnte Rose Freel Laborjournal bis- lang nichts berichten. Not macht erfinderisch... Für Jörg Klug, Heike Ziegler und Science Bridge war zu diesem Zeitpunkt indes schon lange klar, dass sie mit dem Odin -Kit keine CRISPR-Versuche mit Schülern oder interes- sierten Laien durchführen können. Das dar- in beschriebene Experiment, so deren Über- legung, könnte allerdings dennoch gut ge- eignet sein – sofern man es mit sauberen Organismen und Materialien durchführen würde. Also besorgten sie sich den E. coli -Stamm HME63 von Donald Court, bestell- ten die beiden im Kit verwendeten Plasmi- de für die Cas9-Nuklease und die tracrRNA di- rekt beim Anbieter Addgene und ließen das angegebene Oligo-Korrekturtemplate selbst synthetisieren. Laut der Odin -Beschreibung solltemit die- semMaterial bei richtiger Anwendung in E. coli HME63 folgendes passieren: Die crRNA leitet die Cas9-Nuklease in der Bakterienzelle zum Target-Gen rpsL , welches für das Rps12-Protein der kleinen ribosomalen Untereinheit kodiert. Cas9 setzt daraufhin einen spezifischen Dop- pelstrang-Schnitt in dem Gen, den die Zelle über homologe Rekombination mit der Tem- plate-DNA wieder repariert. Allerdings ist das Template so gestaltet, dass die Zelle bei der Reparatur eine Punktmutation im rpsL -Gen The Odin -Gründer Josiah Zayner. Foto: reasonTV Das „ The CRISPR Cas 9 Bacterial Genome Editing Kit “ von The Odin Foto: Andrew Tarantola

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