Laborjournal 2018-01/02

1-2/2018 | 19 Hintergrund einführt, die ein Codon im Rps12-Leseraster verändert. Die gewünschte Folge: Durch den Aminosäureaustausch imRps12-Protein kann Streptomycin nicht mehr an die kleine Un- tereinheit des Bakterien-Ribosoms binden – und HME63 ist resistent gegen das Antibioti- kum geworden. Doch auch mit den eigenen Materiali- en funktionierte der Versuch nicht wirklich. Auchwenn Heike Ziegler und Jörg Klugmit ih- remHME63-Stamm immer wieder Strepomy- cin-resistente Kolonien erhielten. Heike Zieg- ler berichtet: „Bei uns funktioniert das Experiment nicht wirklich gut. So haben wir zum Beispiel fest- gestellt, dass das knapp 10 kB große Plasmid, das für Cas9 kodiert, mittels der PEG/Calci- um-Transformation nur sehr schlecht in die Zellen einzubringen ist. Mein Eindruck ist, dass auf den Streptomycin-Plattenmit der Zeit ein- fach‚irgendetwas‘ hochwächst. Das ist bei ei- ner Steptomycin-Resistenz aber nicht unge- wöhnlich. Die Sequenzierung der rpsL -Gene von denjenigen Klonen, die wir auf Steptomy- cin-Plattenbekommen haben, ergab jedenfalls in keinem Fall die Mutation, die wir bei erfolg- reichem ‚geCRISPR’ mit dem Reparatur-Tem- plate hätten bekommen sollen. Stattdessen fanden wir meist andere (Spontan)-Mutatio- nen, von denen auch bekannt ist, dass sie zu Strep-Resistenz führen. Folglich haben wir keinen Beweis für ein erfolgreich ‚geCRISPR- tes’ rpsL -Gen. “ Dennoch findet man im Internet einige kurze Kommentare aus den USA, nach denen das Odin -Kit imprivaten Do-It-Yourself -Versuch augenscheinlich funktioniert habe. Angesichts der von Heike Ziegler und anderen beschrie- benen Spontan-Resistenzen sowie der Tatsa- che, dass das Odin-Kit in vielen Fällen offen- bar Streptomycin-resistente Kontaminanten enthält, ist jedoch zweifelhaft, ob hier tatsäch- lich etwas„geCRISPRt“ hat. ... aber nicht gleich erfolgreich. Bei Science Bridge hat man daher die Idee fallengelassen, mit diesemVersuch der Öffent- lichkeit CRISPR-basiertes Genome Editing nä- her zu bringen. Heike Ziegler:„Ich hätte mich sehr gefreut, wenn der Versuch klappen wür- de. Denn ich denke, dass die Gesellschaft un- bedingt über dieThemen Genome Editing und CRISPR/Cas informiert werden sollte – und sie auchmitdiskutierenmuss. Vor diesemHinter- grundwäre es natürlichwunderbar, wennman ein schönes ‚Vorführ-Experiment‘ zur Verfü- gung hätte.“ Und Jörg Klug ergänzt:„Zwar hätte man bei dem Odin-Experiment zusätzlich sehr schön darauf eingehen können, wie ein Ri- bosom und viele Antibiotika funktionieren. Aber bezüglich CRISPR denken wir inzwi- schen, dass es bessere Experimente für die Öffentlichkeit oder in der Schule geben könn- te.“ Heike Ziegler habe da bereits einige hüb- sche Ideen. Und Odin? Die Firma preist ihren CRISPR- Kit weiterhin auf ihrerWebseite an, keine Spur von Qualitätskontrolle oder überarbeiteten Produktionsprozessen. Womit Josiah Zayner der Do-It-Yourself - und Biohacker-Szene sicher keinen Gefallen tut. Entsprechend urteilt da- her auch Biohacker Rüdiger Trojok: „Ich hal- te das persönliche Verhalten von Zayner und seiner Firma für sehr problematisch. So taugt er überhaupt nicht als Vorbild oder Repräsen- tant für die Szene, auch wenn er das von sich selbst immer wieder behauptet.“ Ralf Neumann TopAd Laborjournal PCR3 Juni17_dt.indd 1 22.06.2017 16:42:31 26. Februar–1. März GÖTTINGEN | 2018 84. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie (DGPT) und 20. Jahrestagung des Verbundes Klinische Pharmakologie (VKliPha) in Zusammenarbeit mit der AGAH 3 rd GERMAN PHARM-TOX SUMMIT www.gpts-kongress.de © Göttingen Tourismus e. V.

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