Laborjournal 2018-01/02

| 1-2/2018 40 Statistik „Lehre der natürlichen Lebensvorgänge“ lau- tet die Definition für Physiologie. Wer den Be- griff nachschlägt und weiterliest, findet in der Regel noch die Ergänzung, dass die Physio- logie die biochemischen und biophysikali- schen Prozesse im Organismus zum Gegen- stand hat. Steigt man noch tiefer ein, dann stößt man auf ein Sammelsurium von Sub- disziplinen wie Sinnesphysiologie, Neurophy- siologie oder Muskelphysiologie, um nur drei Beispiele zu nennen. Physiologie ist folglich eine weitgefass- te Themenlandschaft, sodass sich vor einer Publikationsanalyse die Frage stellt: Welche Forscher aus den Lebenswissenschaften sind denn dann keine Physiologen? Selbst ein Evo- lutionsbiologe könnte sich ja durchaus für phy- siologische Adaptionen interessieren. Tatsäch- lich gibt es so gut wie keine biologische oder medizinische Genre-Bezeichnung, die man nicht vor dasWort„-physiologie“ setzen kann, ohne bei der Recherche auf Treffer zu stoßen. Ausgefranste Grenzen Trotzdemhaben sich natürlich einige Dis- ziplinen so verselbstständigt, dass sich deren Vertreter nicht als Physiologen bezeichnen würden. Denken wir an Genetiker und Bio- chemiker, die jamitunter auch die Auswirkun- gen chemischer Interaktionen auf denGesamt­ organismus untersuchen. Doch werden die- se Wissenschaftler eher selten in physiologi- schen Fachjournalen publizieren. Deswegen lag unser Augenmerk beimak- tuellen Ranking nochmehr als sonst darauf, in welchen Zeitschriften ein Autor vorwiegend zu finden ist. Auch hier fiel die Entscheidung nicht immer leicht, denn manchmal tauchte die Physiologie zwar als dritt- oder vierthäu- figste Fach-Kategorie auf, doch der betroffe- ne Autor war dennoch klar einer„Organ“-Dis- ziplin wie Kardiologie oder Hirnforschung zu- zuordnen. In diesen Fällen haben wir auch auf dieTitel der Veröffentlichungen geschaut und vor allemauf die Institutsbezeichnung desWis- senschaftlers. Die Institutsbezeichnung war für uns nämlich ein ebenso wichtiges Indiz für die Zuordnung zur Physiologie – selbst wenn der Autor nur wenig oder gar nicht in den entsprechenden Fachzeitschriften publi- ziert. Denn wer an einem physiologischen In- stitut forscht, wird in denmeisten Fällen wohl auch als Physiologe wahrgenommen. Illustr. : Public Domain Pictures Fast die Hälfte der meistzitierten Physiologen unseres Verbreitungsgebiets war in Zürich oder in Tübingen tätig. Schnittmengen gibt es vor allem mit Neurologie, Nierenforschung und Herz-Kreislauf-Themen. Grundlegendes Sammelsurium Publikationsanalyse 2012 – 2016: Physiologie

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