Laborjournal 2018-05

5/2018 | 47 WirtschaFt tionsprojekt an der Entwicklung eines Schnell- tests für die Detektion von allergenen Sellerie- bestandteilen in Lebensmitteln. Inzwischen arbeiten nach diversen Umzü- gen und methodischen Erweiterungen rund zwanzig Mitarbeiter für MicroMol. Einer von ihnen ist der wissenschaftliche LeiterWolfgang Rudy. Nach seinemBiologiestudium, ebenfalls in Karlsruhe, und einiger Zeit am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidel- berg leitete er bei mtm laboratories (Heidel- berg; 2011 von Roche übernommen) die Im- munologieabteilung, bis er im Jahr 2004 zu MicroMol stieß. ImGesprächmit Laborjournal berichtet er, was sich nach dem Verkauf von MicroMol an Tentamus geändert hat. Sicherheit geht vor Das in Berlin ansässige Tentamus-Unter- nehmen wurde 2011 vom Chemiker Jochen Zoller und Finanzmanager Abgar Barseyten gegründet. Es bezeichnet sich selbst als glo- bales Labor- und Servicenetzwerk. Die mehr als dreißig Labore verteilt in Europa, den USA und China verdingen sich unter anderem in Kosmetik- und pharmazeutischer Industrie wie auch in Landwirtschaft, Umwelt- sowie Lebensmittelanalytik. Dabei streckt Tentamus seine – man se- he der Laborjournal -Reporterin denWortwitz bitte nach – Tentakel seit Jahren weltweit aus: Verleibte sich die Laborgruppe Anfang 2017 den österreichischen Forschungsdienstleis- ter Vela Labs (Wien) ein, folgten im Novem- ber des gleichen Jahres zwei weitere Coups: der Lebensmittelberater Quant Qualitätssiche- rung (Fulda) sowie die in Asien ansässigen Le- bensmittelanalytik und -prüfungslabore des TÜV Rheinland. Mit dem Lebensmittel- und Agrarlabor Almolab (Syrakus, Italien) erwei- terte Tentamus im Januar 2018 sein italieni- sches Dependance-Grüppchen.„ Become part of the Tentamus Family “, schallt es unisono von Partnerwebseiten. Und nun ist eben auch MicroMol Teil der Laborfamilie und verlautbarte in der Presse- meldung Anfang 2018: „Ohne den genialen Geist von Dr. Andreas Dreusch fokussiert sich das Labor erst einmal wieder auf seine Kern- kompetenzen.“ Diese fasst MicroMol-CSO Ru- dy grob als „biologische Sicherheit“ zusam- men. Auf der einen Seite ist das die Karlsru- her Spezialität der Bakteriophagen-Analy- tik für Zellbanken und Pharmazeutika-Pro- duzenten. „Für die ist eine Phagenkontami- nation ein riesiges Problem“, weiß Rudy und konkretisiert:„Im Auftrag von Zellbanken un- tersuchen wir in der Regel bakterielle Expres- sionssysteme, in denen biologisch relevante Stoffe produziert werden.Wir prüfen auf Rein- heit und schauen, ob Bakteriophagen zu fin- den sind oder nicht.“ Das geschieht klassisch mikrobiologisch in Plattierungsexperimenten auf definierten bakteriellenTeststämmen. Auf Kundenwunsch können aufgespürte Phagen weiter spezifiziert werden. Für das zweite Standbein, die biologische Sicherheit von Kosmetika, Medizinprodukten und Pharmazeutika, greift MicroMol auf funk- tionelle Zell- und Immunanalytik zurück. Ein wichtiges Anliegen ist den Badenern hierbei die Reduzierung von Tierexperimenten. Nach dem 3R-Prinzip ( Replacement, Reduction, Refi- nement ) suchen sie insbesondere für Kosme- tika nach passenden In-vitro -Alternativen, um Tests am lebendenTier zu vermeiden oder zu- mindest zu minimieren. Zellen statt Tiere Als Beispiel nennt Rudy denDraize-Augen- reizungstest, bei dem Kaninchen zur Toxizi- tätsbestimmung diverse Substanzen ins Auge appliziert werden.„Wir nutzen ein Systemmit MDCK-Zellen“, erläutert Rudy eine alternative Zellkulturmethode. MDCK-Zellen ( Madin-Dar- by Canine Kidney Cells ) finden in der biome- dizinischen Forschung als Mammalia -Modell- zelllinie Anwendung, denn sie zeigen diver- se morphologische Charakteristika wie Zell- polarität und -bewegung. „Sie bilden stabile Zell-Zell-Verbindungen aus, sodass der Zell- rasen eine Ähnlichkeit mit okularem Epithel aufweist“, so Rudy. „Durch die Konfrontation der MDCK-Zellen mit einer Testsubstanz kön- nen wir Schädigungen an den Tight Junctions feststellen und mithilfe solcher Experimente zumindest die wirksame Konzentration einer Substanz einengen.“ Wenngleich in der pharmazeutischen For- schung in präklinischen Studien trotzdem noch Tierexperimente anstehen, bevor neue Substanzen am Menschen getestet werden, können solche In-vitro -Experimente immer- hin die Zahl der Tierversuche senken. Als wei- tere Ersatztechniken nennt der Biologe In-vi- tro -Methoden, um mögliche Hautreizungen vorherzusagen oder Mutagenität und aller- genes Potential von Substanzen zu testen.„Es gibt inzwischen guteTestsysteme der funktio- nellen Zell- und Immunanalytik, die wir hier bei MicroMol implementiert haben.“ Glückliche Familie Die Kunden scheint‘s zu überzeugen. Laut Rudy finanziert sich die Firma allein über die Auftragsarbeit. Mannigfaltigwie einst das me- thodische Portfolio von MicroMol präsentiert sich dann auch der Kundenstamm:„Zu unse- ren Kunden zählen Medizinproduktentwick- ler und pharmazeutische Firmen, die Biostoffe produzieren. Außerdem haben wir nach wie vor Kunden aus der Lebensmittelindustrie, die sich spezialisierte Lebensmittelmikrobiologie von uns wünschen. Also eine Mischung aus Pharmaindustrie, Medical Devices und Life- Science -Firmen“, fasst Rudy zusammen. „Un- ser Alleinstellungsmerkmal ist die intelligen- te Verbindung der verschiedenen Methoden undTechnologien, die wir momentan anwen- den, die hohe Qualität der Mitarbeiter und der direkte Kontakt zum Kunden.“ Daran soll sich auch in Zukunft nichts än- dern. Bei MicroMol ist man zufrieden mit der neuen Obrigkeit und sieht dieVorteile, Teil des Tentamus-Netzwerks zu sein. Erreicht Micro- Mol eine Anfrage, die von ihnen selbst nicht bearbeitet werden könne, so Rudy, reicheman diese einfach in die Gruppe weiter. Aufgrund des großen Methodenspektrums finde sich fast immer ein Labor, welches diese speziel- le Fragestellung beantworten könne. Ebenso wenden sich natürlich auch die anderen Grup- penmitglieder an MicroMol.„Wenn zum Bei- spiel ein Medizinprodukt nach der ISO 10993 untersucht werden soll, dann wissen die, dass wir darauf spezialisiert sind“, sagt Rudy. „Si- cherlich sind wir auch international sichtba- rer geworden, weil die Tentamus-Gruppe ei- ne ganz andere Power in der Öffentlichkeits- arbeit besitzt“, ergänzt Rudy einen weiteren Pluspunkt. Klingt nach großer, glücklicher Familie. Sigrid März

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