Laborjournal 2018-05

| 5/2018 48 Wirtschaft Seit über zehn Jahren tüfteln die Mitarbeiter von AmpTec an synthetischen mRNAs für die Therapie von beispielsweise monogenen Erkrankungen. Laborjournal hat sich deshalb bei der Firma im Herzen St. Paulis einmal erkundigt, wie das RNA-Geschäft läuft und dabei herausgefunden, worauf AmpTec besonders stolz ist. Hamburger Perle Firmenporträt: AmpTec (Hamburg) Wie viel Wasser die Elbe hinabfließen würde, bis Hamburgs neues Wahrzeichen, die Elb- philharmonie, fertiggestellt sein wird, wuss- te beim Spatenstich im Jahr 2007 niemand. Ebenfalls in eine ungewisse wirtschaftliche Zukunft blickten damals die AmpTec-Grün- der Peter Scheinert und Guido Krupp, als La- borjournal das erste Mal über das Hamburger Unternehmen berichtete. Seitdembesitzt die Hansestadt mit der endlich eröffneten„Elphi“ ein neues prunkendesWahrzeichen, und über die geplante Elbvertiefung wird immer noch heftig gestritten. Doch viel mehr interessiert uns, wie es den RNA-Spezialisten aus Ham- burg in den zehn Jahren seit der Veröffentli- chung des letzten Artikels ergangen ist. Da- her hat Laborjournal den Firmensitz von Amp- Tec im Herzen St. Paulis erneut besucht und nachgefragt. Florierendes Geschäft Zuerst die Geschichte von AmpTec im Kurzüberblick: Die Ursprünge des Biotech-Un- ternehmens liegen in der von Qiagen 2005 übernommenen Artus GmbH. Die auf PCR- Diagnostik-Kits spezialisierte Firma wur- de 1998 von Krupp und Scheinert zusam- men mit vier Kollegen in Hamburg gegrün- det. Das Geschäft florierte und Artus machte sich in den folgenden Jahrenmit molekularen Nachweis-Methoden für SARS (Schweres Aku- tes Respiratorisches Syndrom) und BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie) einen Namen. Schließlich wurde das PCR-Geschäft der Firma im Juni 2005 von Qiagen übernommen. Das bereits erfolgreiche Gründer-Duo entschloss sich, ihre Technologie zur RNA-Amplifikation in einem eigenen Unternehmen weiterzuent­ wickeln. AmpTec war geboren. Im Gegensatz zu den an der Elphi-Kon­ struktion beteiligten Bauunternehmen hat AmpTec sein verfügbares Kapital wirtschaft- lich vernünftig eingesetzt und über die Jah- re ein stabiles und nachhaltiges Wachstum erzielt. Laut Co-Gründer Scheinert kann gar von einer„fulminanten Entwicklung“ die Re- de sein. Dies zeige sich beispielsweise an der Verdopplung von Mitarbeiterzahl und Labor- fläche gegenüber 2016. Damit hat AmpTec jetzt 18 Mitarbeiter und verfügt über die not- wendige Nutzfläche, um die Herstellung ih- res Hauptproduktes nach oben zu skalieren. Apropos Hauptprodukt. AmpTec arbei- tet vornehmlich an synthetischer mRNA zur Bekämpfung von sogenannten „S ingle-Gene Disorders “ (SGDs) oder monogenen Erkran- kungen – also Krankheiten, bei denen zum Beispiel die Produktion eines bestimmten Pro- teins durch eine Mutation gestört ist. Oft wer- den solche Krankheiten in betroffenen Famili- en weitervererbt. Der Ausbruch erfolgt meis- tens früh in der Kindheit und erfordert eine lebenslange Behandlung. Beispiele für SGDs sind etwa Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (prädi- sponiert für schwerwiegende Lungenerkran- kungen wie COPD – C hronic Obstructive Pul- monary Disease – oder Beschwerden mit der Leber), Hämophilie B, Mukoviszidose, Chorea Huntington oder die Stoffwechselstörung Phe- nylketonurie. Unterschätzter Markt Individuell betrachtet treten diese Erkran- kungen relativ selten auf, allerdings sind welt- weit Millionen Menschen betroffen. DieWHO schätzt, dass mehr als 10.000 verschiedene Krankheiten einen monogenen Ursprung ha- ben und die Prävalenz bei etwa 10 von 1.000 Geburten liegt. In Kanada macht die Behand- lung vonmonogenen Erkrankungen etwa vier- zig Prozent des gesamten Arbeitsvolumens in der pädiatrischen Praxis aus. Es könnte also ein globaler Markt bedient werden, dessen Volumen viele Akteure leicht unterschätzen. Die beiden AmpTec-Gründer Peter Scheinert (li.) und Guido Krupp. Foto: AmpTec GmbH

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