Laborjournal 2018-06

| 6/2018 44 Wirtschaft Heute ist es soweit, ich werde den Garten umgraben. Das Wetter ist gut, die steigen- den Temperaturen lassen die Gemüsekeim- linge imFrühbeet sprießen; es wird Zeit. Denn am Ende des Sommers möchte ich Möhren, Kohlrabi undTomaten ernten und bestes Bio- gemüse auf demMarkt verkaufen. Also auf in die Rabatten! BeimBlick in den Schuppenwird jedoch klar: Es fehlt das adäquate Gerät. Ich greife deshalb zu Hammer und Amboss und schmiede mir aus einem Block Rohstahl ei- nen handlichen Spaten. „Äh, Moment mal, das ist doch eher un- wahrscheinlich“, mögen Sie nun denken. Recht haben Sie! Wahrscheinlicher ist es, dass ich in den nächsten Baumarkt fahre undmir dort ei- nen Spaten besorge. Diesen hat eine auf Gar- tengeräte spezialisierte Firma hergestellt. Nach demMotto„Schuster bleib bei deinen Leisten“ gibt es für so gut wie jedes Konsumprodukt Spezialisten. Der Schmied der Gartengeräte- firma kann besonders gut Spaten herstellen, ich dagegen baue das beste Gemüse an. Wer nicht gerade als Aussteiger ein autarkes Le- benmit absolutem Selbstversorgertum führt, nutzt das in Deutschland und Europa vorwie- gend herrschende Konsumsystem irgendwo zwischen freier und sozialer Marktwirtschaft. Das gilt auch für Biotech-Unternehmen. Nehmen wir als Beispiel ein Start-up. Am An- fang steht eine Idee. Ist die Idee gut und lässt sich vermarkten, fördern Land, Bund und EU mit Gründerstipendien und Start-up- Accele- rator -Programmen, bis nach zehn oder fünf- zehn Jahren ein – natürlich innovatives – Pro- dukt auf den Markt drängt. Falls die Firma bis dahin überlebt hat. Denn in zehn Jahren kann viel passieren: Die Idee war doch nicht so gut wie anfangs gedacht, das Geld ging aus oder ein anderes Unternehmen war mit einer ähn- lichen Idee schneller. Im Jahr 2016 beispiels- weise kamen auf 15 Biotech-Firmengründun- gen sechs Insolvenzen und acht Übernahmen, nachzulesen im Biotechnologie-Report 2017 (Ernst & Young). In den Jahren zuvor sah es nicht wesentlich besser aus. Auch das ist freie Marktwirtschaft. Wer sich auf demMarkt hal- tenwill, muss nach seinen Regeln spielen. Und die lauten unter anderem (auch) für die Bio- techbranche: innovativ sein, und vor allem schnell sein! Geschickter Spielzug Nun kannman als Unternehmer eineHeer- schar kompetenter und hochspezialisierter Techniker und Wissenschaftler verpflichten, um die Idee möglichst zügig aus der experi- mentellen Phase zur Marktreife zu bringen. Die Technologie muss also anwenderfreund- lich gemacht und hübsch verpackt werden, und natürlich in großer Stückzahl günstig pro- duzierbar sein. Dafür sorgen gemeinsammit Chemikern, Biologen und Biotechnologen Ingenieure, Produktdesigner und IT-Spezia- listen. Aber ist das effizient? Treibt das nicht die Entwicklungskosten in astronomische Hö- hen? Undwasmacht die Firmamit all der Man­ power, wenn das Produkt fertig ist? Outsourcing ist das Zauberwort. Statt also das Rad immer wieder neu zu erfinden, suchen sich Firmen Dienstleister, die das Rad bereits erfunden haben oder zumindest die Expertise haben, zeitnah ein passendes Rad zu liefern. In der Pharmawelt ist Outsourcing schon lange gang und gäbe. Auftragsforschungsins- titute, sogenannte CROs ( Contract ResearchOr- ganizations ) nehmen Medikamentenherstel- lern die Planung und Durchführung der kom- plexen und zeitaufwändigen klinischen Studi- en ab. Der Unternehmensberater Grand View Research prophezeite unklängst dem globa- len CRO-Markt für das Jahr 2024 ein Markt- potential von 51,3 Milliarden US-Dollar. Kein Wunder also, dass auch andere Dienstleister ein Stück vomMilliarden-Dollar-Kuchen haben möchten. So wächst der weltweite Markt für die Auslagerung pharmazeutischer und bio- technologischer Dienstleistungenmunter wei- ter, laut Grand View Research von 40,3 Milliar­ den US-Dollar im Jahr 2015 mit einer jährli- chenWachstumsrate von knapp neun Prozent. Laborjournal hatmit Dienstleisterngespro- chen, dieMedizingeräteherstellern, Laborauto- matisierern und weiteren Firmen der Biotech- und Lebenswissenschaften-Branche unter die Arme greifen. Spaten stehen dort eher nicht auf dem Plan, sondern Geräte-Module, kom- plette Apparillos oder Software, von der ers- Zeit ist Geld – das gilt in der Biotech-Branche nicht weniger als woanders. Aber komplexe Technologieentwicklungen dauern mitunter zehn oder fünfzehn Jahre. Um diese Zeiten zu verkürzen, greifen große und kleine biotechnologische Firmen weltweit auf Dienstleister und Auftragsentwickler zurück. Alles selber machen lassen Outsourcing: Auslagerung von Technologieentwicklung Illustr.: iStock / creatarka

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