Laborjournal 2018-06

| 6/2018 46 Wirtschaft nehmen für Mess- und Testanlagen LGC den DNA-Extraktionsrobotor oKtopure. „Da- durch, dass wir sowohl die elektrischen Ach- sen, Steuerungen, Regelungssysteme als auch Ventile und Dosierköpfe selbst entwi- ckeln, können wir sie so aufeinander abstim- men und optimieren, dass wir neben einem hohen Probendurchsatz auch die erforderli- chen Positionier- und Dosiergenauigkeiten er- reichen“, erläutert Jacob das Komplettpaket, geprüft und fertig zum Einbau in ein beste- hendes Anlagensystem. Das sei, so Jacob, nur möglich, wennman die Technik imDetail ver- stehe und deren Entwicklungmöglichst selbst in der Hand habe. Dafür gibt es bei Festo in- terdisziplinäre, spezialisierte Teams für bei- spielsweise das Hantieren mit Flüssigkeiten ( LiquidHandling ; dosieren, aspirieren, pipettie- ren), Proben ( Sample Handling ; Greifer, elektri- sche Achsen bis hin zum Barcode-Lesegerät) oder Gasen ( Gas Handling ; zum Beispiel das Bewegen von Flüssigkeitenmittels Druckluft). Solch geballte Kompetenz kann sich auch ein großes Unternehmen selten im eigenen Haus leisten, es bleibt dann oftmals nur dieVer- gabe einer Fertigung oder Entwicklungsleis- tung an spezialisierte Dienstleister wie Festo. Jacob fasst zusammen: „Jedes Unter- nehmen hat seine Kernkompetenz. Eine Bio- tech-Firma hat diese in der Biotechnologie, aber nicht in der Automatisierung. Wir hinge- gen sind Automatisierungs-Spezialisten und unterstützen unsere Kunden, damit die sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können.“ Über seine Niederlassungen in mehr als sechzig Ländern kann Festo seine Kunden auch zügigmit (Ersatz-)Teilen in großer Stück- zahl oder Technikern versorgen, denn wie im- mer geht es um Zeit. „Jeder Monat, den der Hersteller mit seinem Gerät früher am Markt ist, bringt ihm früher Umsatz und einen Vor- sprung imWettbewerb“, so Jacob. Denn – wir erinnern uns: Wer am Markt bestehen möchte, muss innovativ und flott sein, und optimalerweise auch noch liquide. Dann klappt‘s auch mit dem Kassenschlager. Labor- oder medizinische Geräte sind das eine. Aber ein Unternehmen muss all die In- formationen auf dem Weg zur Entwicklung auch verarbeiten, mit externen Daten abglei- chen und in passende Schubladen packen. „Wir bieten maßgeschneiderte Software für das Daten- undWissensmanagement an“, er- klärt Bioinformatiker Klaus Heumann ( Siehe auch Interview links ). „Dadurch machen wir das Wissen, welches in den Life Sciences ex- perimentell und theoretisch entsteht, bere- chenbar und letztendlich für Innovationspro- zesse greifbar. Das ist unser Geschäft.“ Heu- mann ist Mitgründer und seit zwanzig Jah- ren Geschäftsführer des Planegger Bioinfor- matik-Dienstleisters Biomax Informatics mit etwa fünfzig Mitarbeitern. Laborjournal: Warum sollte ich als Bio- tech-Unternehmer mein Wissensmanage- ment in Ihre Hände legen? Klaus Heumann » Die Frage ist, was ist die Alternative? Heutzutage hat fast alles, was ich tue, eine digitale Signatur. Ich brau- che also eine Informationsinfrastruktur, die es mir erlaubt, damit umzugehen. Die kann ich entweder selbst aufbauen und habe da- mit erhebliche Kosten, Zeitverluste und Risi- ken. Nach zwei, drei Jahren ist dieWelt aber schonwieder eine andere und ich habemög- licherweise am Ziel vorbei entwickelt. Oder aber ein Unternehmen greift auf eine erprobte Infrastruktur zurück, die nur angepasst werdenmuss. Wir können Lösun- gen in wenigen Stunden oder Tagen bereit- stellen. Und das ist in so einem schnelllebi- gen, dynamischen Feld wie den Life Scien- ce s extrem wichtig. Nicht nur dort. Denken wir an die Phar- ma-Branche, die für die Entwicklung neu- er Wirkstoffe inzwischen mindestens dreistellige Millionenbeträge investieren muss. Jeder Fehler auf demWeg bis zur Markteinführung kostet Zeit und Geld. Heumann » Richtig, es gibt nichts Teure- res als eine falsche Entscheidung. Ihre Kunden könnten aber genauso gut einzelne System-Komponenten „zusam- menkaufen“ und sich so ihre passende Lö- sung basteln. Heumann » Letztendlich ist die Welt so komplex, dass kein Anbieter alles abdecken kann. Auch wir erheben diesen Anspruch nicht.Wir arbeitenmultidisziplinär: Ärzte, Ma- thematiker, Physiker, Chemiker, Molekular- biologen, Informatiker, Computerlinguisten – alle haben eine unterschiedliche Perspek- tive und Herangehensweise. Das erlaubt un- sererTechnologie, auf sehr unterschiedlichen Abstraktionsstufen von Patientenkohorten bis zum einzelnen Molekül Prozesse mitei- nander zu verknüpfen. Das ist ein wesent- licher Erfolgsfaktor in der System-Medizin, die für chronische und komplexe Erkrankun- gen bestimmend sein wird. Das heißt für unsere Kunden, dass wir ih- nen natürlich eine maßgeschneiderte Infra- struktur bereitstellen, in welche aber auch weitere Bausteine integriert oder flexibel aus- getauscht werden können, wenn das not- wendig ist. So kann sich dieTechnologiewei- terentwickeln, ohne dass die Stabilität des Gesamtsystems gefährdet wird. Wie denken Sie grundsätzlich über die steigende Tendenz zum IT-Outsourcing, was macht das mit der Biotech- und Phar- ma-Szene in Deutschland? Heumann » Ich halte das für eine sehr gute Entwicklung. Wir als IT-Anbieter haben eine Kompetenz, die wir kontinuierlich wei- terentwickeln, und die von einem großen Pharma- oder Biotech-Unternehmen nur unter sehr großen Kosten, Mühen und Risi- ken aufgebaut und betrieben werden könn- te. Je arbeitsteiliger, ja intelligenter man ei- ne Wertschöpfungskette aufstellt, und das können die Großen sehr gut, desto effekti- ver werden sie sein. Das ist ein Trend, den wir zumindest für die Bioinformatik deutlich sehen und der aus meiner Sicht zu einer Be- schleunigung der Innovationszyklen führen wird. Die Digitalisierung kann einen Beitrag dazu leisten, schnellere, effektivere und zu- verlässigere Entscheidungen auf Basis fun- dierter Fakten zu fällen. Interview: Sigrid März Biomax-Informatics-Geschäftsführer Klaus Heumann. Foto: Klaus Heumann Klaus Heumann, Bioinformatiker und Geschäftsführer der Planegger Bioinformatik-Firma Biomax Informatics sieht die Zukunft der Bioinformatik bei externen Dienstleistern. „Es gibt nichts Teureres als eine schlechte Entscheidung“

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