Laborjournal 2018-10

| 10/2018 10 Nachrichten Frisch gepreist » Luise Knoblich möchte Natur und Technik zusammenführen. Dafür schick- te Knoblich Schüler der siebten und neunten Klasse mit dem Smartphone in Thüringen auf Entdeckungsreise. Die Jugendlichen liefen eine Exkursionsroute ab und bestimmten Tiere und Pflanzen mit Stift und Papier. Das Ganze gab‘s natürlich mit medialer Unterstützung: Eine GPS-Navigations-App übernahm die Führung. Knoblich und ihr wissen- schaftlicher Betreuer Uwe Hoßfeld von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurden deshalb von der UN-Dekade für Biologische Vielfalt ausgezeichnet . Neben einem Banner für das Bienen- haus, in welchem die beiden arbeiten, findet das Jenaer Projekt Platz auf der Webseite der Deutschen UN-Dekade. Ein Patent ist bereits eingetragen. » In der Arbeitsgruppe von Wulfram Gerstner dreht sich alles um neuronale Netzwerke. Während sich der Physiker von der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) vor Jahren mit dem Hörsystem der Schleiereule beschäftigte, versucht er heute mit Computer-simu- lierten Lernvorgängen in künstlichen neuronalen Netzwerken das biologische Lernen zu verstehen. Für seine Arbeit erhält Gerstner den von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol gestifteten Valen- tino Braitenberg Award for Computati- onal Neuroscience sowie 5.000 Euro. » Mastzellen sind nicht nur für die Abwehr von Pathogenen zuständig, sie verursachen auch Allergien sowie Anaphylaxien. Sara Montagner , die bei Novartis in Basel forscht, hat mit ihren Kollegen herausgefunden, dass Mastzellen differenzieren und ange- messen auf Stimuli aus der Umgebung reagieren, wenn ihre DNA normale Hydroxymethylierungs- beziehungswei- se Methylierungsmuster tragen. Zellen mit verändertem Methylierungsmuster zeigen eine abnormale Proliferation und reagieren übertrieben auf normale Stimuli, was zu einer ungehemmten Entzündung führt. Für ihre Erkenntnisse zu den epigenetischen Veränderungen in den Mastzellen und deren Auswirkungen erhält die Immunbiologin den Marie Heim-Vögtlin-Preis 2018 des Schweize- rischen Nationalfonds, der mit 25.000 Schweizer Franken dotiert ist. - JM- Preise kompakt Auch dieses Jahr verleiht die Schering Stiftung zwei Preise anWissenschaftler aus der biologi- schen, medizinischen und chemischen Grund- lagenforschung. Zuden Preisträgern zählendie Mikrobiologin Bonnie Bassler von der Prince- ton Universität in New Jersey und der Nach- wuchswissenschaftler Alexander Bartelt von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bassler und ihr Teammöchten verstehen, wie Bakterienmiteinander kommunizieren. Die Mikroorganismen produzieren chemische Si- gnalmoleküle, schütten diese aus und können sie selbst auch detektieren – einVerhalten, das als Quorum Sensing bezeichnet wird. Ein Ver- suchsobjekt von Bassler und Co. ist der Kran- kenhauskeim Pseudomonas aeruginosa . Bartelt hingegen widmet seine Arbeits- zeit den braunen Fettzellen. Der Biochemi- ker und Molekularbiologe konnte mit Kolle- gen erst kürzlich zeigen, dass dieWärmepro- duktion der Zellen eine Erhöhung der pro- teosomalen Aktivität erfordert, und dass der Transkriptionsfaktor Nuclear Factor Erythroid 2-like 1 (Nfe2l1) eine kritischer Triebfeder dieses Prozesses ist ( Nat. Med. 24: 292-303). Die Er- kenntnisse von Bartelt et al. könnten zu neu- artigen Behandlungen von Herz-Kreislauf-Er- krankungen führen. Bassler erhält für ihre Forschungsarbeiten den Ernst Schering Preis, der mit 50.000 Euro dotiert ist; Bartelt wird mit dem Friedmund Neumann Preis und 10.000 Euro geehrt. Bakterienkommunikation und braunes Fett Ernst Schering Preis und Friedmund Neumann Preis Karl Deisseroth will verstehen, wie das Gehirn funktioniert und welche Störungen psychische Erkrankungen hervorru- fen. Dafür verwendet der Psychiater und Bioingenieur an der Stanford Universität in Kalifornien die Optogenetik. Und weil Deisseroth als Mitbegründer der Optogenetik gilt, erhält er von der gleichnamigen Stiftung den Berthold Leibinger Zu- kunftspreis mit einem Preisgeld von 50.000 Euro. In einem seiner jüngsten Paper konnte er mit Kollegen die Kristallstruktur des für Optogenetiker höchst interessanten AnionChannelrhodopsin 1 (ACR-1) mit einer Auflösung von 2,9 Ångströmdarstellen und dabei ungewöhnliche architektoni- scheMerkmale entlarven ( Nature 561:343-8). JulietMerz Optogenetik-Pionier Berthold Leibinger Zukunftspreis Morphologie, Biomechanik und Bionik vereinen? Genau dasmacht StanislavGorb von der Universität zu Kiel – und erhält dafür von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille mitsamt 10.000 Euro. Und was macht die AG Gorb genau? Die Forscher schauen beispielsweise Bienen beim Putzen ihres Pelzes zu (Bioinspir. Biomim. 12: 026015), vergleichen die Haf- torgane von Insekten, Spinnen und Geckos ( Adv. Mater. 19:e1704696) oder untersuchen die schwarzen Schuppen von Gabunvipern ( Sci. Rep. 3: 1846). Die Eigenschaften der untersuchten biologischen Materialien möchten die For- scher auf synthetische Oberflächen übertragen. Bienen-Putzen und mehr Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille Stanislav Gorb versucht der Tierwelt den ein oder anderen Trick zu entlocken. Foto: enba4.eu Karl Deisseroth erforscht mit- hilfe der Optogenetik das Gehirn. Foto: Stanford Univ.

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