Laborjournal 2018-11

| 11/2018 14 Hintergrund Eine Promotion ist kein Zuckerschlecken – das wissen die meisten. Doch wie sehr die Arbeitsbedingungen den PhD-Studenten an die Substanz gehen, hat ein Team um den Biomediziner und Psychologen Yorick Peterse nun zusammengetragen. Es ist ein Versuch, das Tabu rund um psychische Erkrankungen zu brechen. Yorick Peterse hat es selbst erlebt: Vergange- nes Jahr erfuhr der gebürtige Niederländer, dass mit einer Frist von zwei Wochen die Fi- nanzierung seiner Doktorarbeit nicht verlän- gert würde – und das trotz vorheriger Verspre- chungen seines Betreuers sowie der Instituts- direktion. Für den damaligenDoktoranden der Humanbiologie bedeutete das vor allem eins: Stress und Unsicherheit. Wie Peterse geht es vielen Doktoranden. Und es gibt noch viele andere Umstände, die Doktoranden in Deutschland und anderswo zur Verzweiflung treiben. Die Auswirkungen hat ein Team um Peterse nun in einem Arti- kel für PLOS Blog zusammengefasst (Addres- sing the Mental Health Crisis among Doctoral Researchers, Part I and II) . Das Fazit: Viele Dok- toranden sind mit ihrer Promotion überfor- dert und mit den Arbeitsbedingungen unzu- frieden, sodass vielemit Symptomen von psy- chischen Erkrankungen kämpfen. Das bestätigt auch eine Studie der belgi- schen Psychologin Katia Levecque (Research Policy , doi: 10.1016/j.respol.2017.02.008). Le- vecque et al. hatten gezeigt, dass PhD-Stu- denten der Flämischen Region (Belgien) so stark belastet sind, dass sie im Vergleich zu Nicht-Doktoranden ein mehr als doppelt so hohes Risiko haben, an einer psychischen Stö- rung zu leiden oder eine zu entwickeln. Alarmierende Ergebnisse „Das ist alarmierend“, so Erstautor Peterse. Der Biomediziner und Psychologe hatte sich mit Doktorandenvertretern des N 2 -Netzwerks (ein Zusammenschluss der außeruniversitä- ren Promovierendennetzwerke Helmholtz Juni- ors, Leibniz PhDNetwork und Max-Planck PhD- net) zwei große Umfragen der Helmholtz Juni- ors und des Max-Planck PhDnet zur Brust ge- nommen. Denn die Helmholtz-Gemeinschaft undMax-Planck-Gesellschaft (MPG) wollten es genau wissen: Wie geht es unseren Mitglie- dern? Die Fragen behandelten auch die Ar- beitsbedingungen, den Stress sowie die psy- chische und physische Gesundheit der Pro- movierenden. Das Max-Planck PhDnet , bei welchem Peterse bis vor kurzem selbst Mitglied war, fragte die MPG-Doktoranden unter anderem, ob sie an mindestens einem der folgenden Stress-Symptome litten: Depression, Burnout, Essstörung, chronischeMüdigkeit, Schlaflosig- keit und Migräne. Von den insgesamt 2.218 Personen, die geantwortet hatten, gab die Hälfte an, an mindestens einem Symptom zu leiden oder gelitten zu haben, ein Drittel an zwei oder mehr Symptomen und 16 Pro- zent an mindestens drei. Über die Hälfte der „Symptom-Träger“ verknüpften den Stress di- rekt mit ihrem PhD-Projekt. Für Kerstin Platt von der Psychologischen Beratungsstelle der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, die sich an Studierende und Doktoranden richtet, sind die Ergebnisse wenig überraschend:„Ein gesteigertes Risiko für psychische Erkrankun- gen oder deren Symptome besteht in Zeiten, Doktoranden im Dauerstress Foto: iStock/ kaipong

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