Laborjournal 2018-12

| 12/2018 52 BUCH ET AL. Das Geburtsjahr der Dinosaurier: 1842 – na- türlich nicht im biologischen Sinn. Denn be- kanntermaßen sind die„Dinos“ bereits einige Monate zuvor ausgestorben. 1842 hingegen schlug der britische Forscher Richard Owen denNamen„Dinosaurier“ für die fossilen Funde vor, die bereits seit dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert für steigendes Interesse sorg- ten. Insbesondere nachdemdie erst zwölfjäh- rige Mary Annings das komplette Skelett ei- nes Ichthyosaurus in England gefunden hatte. Seitdem steigt die Popularität der Dinosaurier nahezu kontinuierlich an – bei Jung und Alt. Für alle interessierten Erwachsenen ist das Buchdes deutschenAutors Bernhard Kegel mit dem überaus passenden Titel„Ausgestorben, umzu bleiben – Dinosaurier und ihre Nachfah- ren“ zu empfehlen. Kegel studierte Chemie so- wie Biologie, was sich positiv in demgesamten Buch bemerkbar macht. Fundiert beschreibt Kegel die spannende Geschichte der Paläon- tologie; und ist dabei auf einem recht aktuel- len Stand, denn die jüngsten Fossilienfunde revolutioniertenwieder einmal dieVorstellun- gen über Dinosaurier. Erstmals betraten die Dinosaurier vor rund 230Millionen Jahren dieWeltbühne. Der nächste große Auftritt war dann 1967, als Ty- rannosaurus Rex (T. Rex) den Grundstein für ihre Weltkarriere legten und zu einer der be- kanntesten Glam-Rock- Bands derWelt wurden. Aber nicht nur deswegen gilt Tyrannosaurus rex als vermutlich prominentester Dinosauri- er. So hatte der T. rex in dem Spielfilm„Juras- sic Park“, Stephen Spielbergs Verfilmung des gleichnamigen Romans vonMichael Crichton, einen weiteren großen Auftritt in tragender Rolle. „Jurassic Park“ dient dem Autor Kegel auch als filmische Referenz in seinem 270 Sei- ten dicken Buch, leider führt er sie aber einwe- nig zu häufig an. Dino-Experten im Kindergarten Doch die Faszination beschränkt sich nicht nur auf den„König der Dinosaurier“, sondern auch auf die unzähligen anderen Arten, ob- wohl diese nicht immer so leicht auszuspre- chen sind. Tipp für alle Erwachsenen: Gehen Sie in den Kindergarten. Dort treffen Sie auf un- zähligeNachwuchs-Dino-Experten, die einSau- rier-Namensgedächtnis haben, das wohl nur von professionellen Paläontologen übertrof- fen werden kann. Namen wie Therizinosaurus oder Quetzalcoatlus bekommen die von Dino- sauriern besessenen Kindergartenkinder oh- ne zu stottern hin – Kinkerlitzchen. Insgesamt ist„Ausgestorben, um zu blei- ben“ durchgehend interessant und spannend geschrieben. Bernhard Kegel berichtet von fos- silen Funden, die sowohl einMischwesen (Sei- te 227) als auch Dinosaurier (Seite 229ff) mit Federn zeigen. Dies spiegelt die etablierte An- sicht wider, dass die heutigen Vögel von den Dinosauriern abstammen. Der Autor lockert dasWerk immer wieder mit unterhaltsamen Anekdoten auf, beispiels- weisewenn er über Oberschenkelknochen von Dinosauriern schreibt, die so groß sindwie ein Mensch (Seite 118f). Oder dass die täglichen Kothaufen eines Dinosauriers bis zu 1.500 Ki- logramm gewogen hätten (Seite 134). Diese Kothaufen stellten sogar ein eigenes Ökosys- temdar (Seite 136f). Ebenso ist es wahrschein- lich, dass die Dinosaurier nahezu ununterbro- chen rülpsten und furzten (Seite 133). Auch die sogenannten „Bone Wars“ zwi- schen den beiden Paläontologen EdwardDrin- ker Cope und Othniel Charles Marsh gegen Ende des 19. Jahrhunderts beschreibt Kegel. Das wiederum ist eine Geschichte, der sich Michael Crichton bereits 1974 angenommen hatte und die kürzlich posthum unter demTi- tel„Dragon Teeth“ erschienen ist. Ebenfalls interessant erscheint ein Besuch des Museums„Museo del jurásico de Asturias“ in Spanien, das zwei T.-rex- Skelette beim Fort- pflanzungsakt zeigt – oder zumindest wie es sich die geneigten Paläontologen vorstellen (Seite 179). Zusammenfassend ist zu sagen: „Ausge- storben, um zu bleiben“ ist ein unterhaltsa- mes Buch, das den Fokus auf die Geschich- te der Dinosaurier-Erforschung legt. Bernhard Kegel gelingt es dabei fortlaufend, den Leser durch eine gelungene Mischung aus Fakten und Unterhaltung jede Seite mit Vergnügen umblättern zu lassen. Sehr zu empfehlen ist das Buch auch als Geschenk zu Weihnachten. Wenn nach den stressigen Feiertagenwieder Ruhe eingekehrt ist und die bereits länger liegenden Plätzchen in ihrer Konsistenz an Fossilien aus demMeso- zoikumerinnern, ist es genau die richtige Zeit, umes sich gemütlich zumachen und in einem schönen populärwissenschaftlichen Buch zu schmökern –wie diesemeben. DanielWeber In „Ausgestorben, um zu bleiben“ erzählt Bernhard Kegel mit Fakten und viel Humor die Geschichte der Dinosaurier. Bernhard Kegel Ausgestorben, um zu bleiben – Dinosaurier und ihre Nachfahren DuMont Buchverlag (Köln, 2018) Sprache: Deutsch, 270 Seiten Preis: 22 Euro (Hardcover), 12 Euro (Taschenbuch), 17,99 Euro (E-Book) Helden der Kindheit Bücher für die Feiertage Illustr.: Juliet Merz

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