Laborjournal 2019-04

| 4/2019 32 SPECIAL: ANTIKÖRPER 2.0 Vor fast fünfzig Jahren produzierten Hybrid- zellen aus einem B-Lymphozyten und ei- ner Tumorzelle, genannt Hybridom, die er- sten monoklonalen Antikörper ( Nature 256: 495-7). Die Moleküle legten eine steile Kar- riere hin und waren entscheidend für bahn- brechende Entdeckungen und die Entwick- lung neuer Therapeutika. Ihre intensive Nut- zung entlarvte auch ihre Schwächen. Mono- klonale Antikörper (mABs) sind ziemlich groß, was die Funktion gebundener Antigene be- einträchtigen kann. Sie sind nicht zellmem- brangängig, können daher nur mit extrazel- lulären oder isolierten Epitopen reagieren. Im Zytosol sind sie nicht stabil, man kann sie al- so nicht für In-vivo- Studien von zytosolischen Antigenen verwenden. Auch die Herstellungsmethode hat ih- re Tücken. Wenn Zelllinien absterben, sind die Antikörper verloren, und man kann Stu- dien nicht reproduzieren. Außerdem zeigte sich, dass die Funktion von mABs wesent- lich von ihrer Umgebung, also den Testbe- dingungen beeinflusst wird. Auf demAlpbach Affinity-Proteomics -Workshop 2017 berichte- te Mathias Uhlén ( Royal Institute of Technolo- gy in Stockholm), das von 55.000 polyklona- len und 5.000monoklonalen Antikörpern, die imWesternblot funktionierten, rund die Hälf- te in den immunhistochemischen Tests ver- sagt hatten ( New Biotechnol . doi: 10.1016/j. nbt.2018.08.002). Monoklonale Antikörper sollten also umfassend validiert werden mit mehreren Tests wie ELISA, Westernblot, Im- munfluoreszenz an Zelllinien und Gewebe- schnitten. Viele Hybridom-Linien sind nicht ausrei- chend charakterisiert: Ein erheblicher Teil der Zelllinien, die Antikörper für den Verkauf pro- duzieren, stellen mehr als nur je eine Spezies von schweren und leichten Ketten her ( mAbs 10 : 539-46).„Wir haben 185 Hybridom-Linien aus sieben Laboratorien getestet, davon hat- ten vierzig Prozent mehr als nur eine Sorte An- tikörper. Die Produkte solcher Zellen sind al- so nicht monospezifisch, was ein großes Pro- blem ist“, berichtet der Seniorautor der Stu- die, Stefan Dübel von der Technischen Uni- versität (TU) Braunschweig. Deshalb ist es gut, dass es heute Alterna- tiven gibt, etwa andere Herstellungsmetho- Die Evolution von Labor-Antikörpern und rekombinanten Antigen- Bindern schreitet rasant voran. Von den ersten Schritten Antigen-bindender Proteine und wo sie mittlerweile überall gelandet sind – ein Überblick. Stets zu Diensten Special: Antikörper 2.0 Unter Beschuss: Unzählige Antikörper tummeln sich um ein HI-Virus und binden daran. Doch neben der „klassischen“ Y-Form gibt es auch noch andere Antigen-bindende Proteine mit ganz individuellem Aussehen. Illustration: David Goodsell, RCSB Protein Data Bank (CC BY 4.0)

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