Laborjournal 2019-09

23 9/2019 | SERIE Patientenmit Querschnittslähmungweckt. All dies ist unethisch! ImWesten nichts Neues Der grundsätzliche Aufbau des BMI wie auch das Funktionsprinzip der im Neuralink Paper beschriebenen Komponenten sind nicht neu. Verschiedene Gruppen weltweit haben sie bereits in ähnlicher Form entwickelt und bei ausgewählten Patientenmit Rückenmarks­ verletzungen eingesetzt. Diese konnten da­ mit nach langem Training wieder sehr einfa­ che Funktionen ausführen, wie beispielswei­ se eine Tasse greifen. Der Artikel beschreibt allerdings eine Rei­ he von technischen Neuerungen, die poten­ ziell die Funktionalität von BMIs verbessern könnten. Dazu gehören sehr dünne Elektro­ den, die Möglichkeit, von einigen Tausend (statt von einigen Hundert) Elektroden ablei­ ten zu können, wie auch der OPRoboter zur Implantation. Trotzdem bleibt es bei der pu­ ren Versprechung, dass all dies ein BMI ver­ bessern könne. Gezeigt wird es nicht. Häufig finden sich stattdessen Formulierungen wie: „It is plausible to imagine...“ Im Artikel angedeutete Funktionen des BMI, wie etwa, dass man damit das Hirn sti­ mulieren könne, oder, wie von HerrnMusk be­ hauptet, eine Verschmelzung des menschli­ chen Gehirns mit KI möglich werde, bleiben unbelegte Spekulation. Der Artikel kommt im Gewand einer wissenschaftlichen Publikation daher, ist aber nichts als ein oberflächlicher Werbeprospekt der Firma Neuralink. Ein BMI liest keinen Gehirncode Der mit demArtikel und der Präsentation von HerrnMusk bewusst generierte Hype sug­ geriert Fähigkeiten eines BMI, die so von kei­ nem ernstzunehmenden BMIForscher für möglich gehalten werden. Spikes von Neuro­ nen, auch wenn diese von mehreren Tausend Orten imGehirn kommen, erlauben nicht das Auslesen von Gedanken, Vorstellungen und Gefühlen. Vielmehr ist es umgekehrt: Das Prinzip ei­ nes BMI zur Steuerung einer Maschine durch Hirnaktivität besteht darin, das Gehirn darauf zu trainieren, willentlich elektrische Aktivität in großen Ensembles von Nervenzellen zu ge­ nerieren – und zwar solche Aktivitäten, die vorher an dieser Stelle so noch gar nicht auf­ getreten waren, um damit dann eine spezifi­ sche, für das Gehirn bisher fremde Reaktion der Maschine auszulösen. Das Gehirn ist so plastisch, dass es so etwas lernen kann. Deshalb aber dauert es auch lange, bis selbst einfachste SteuerFunktionen (Cursor rauf, Cursor runter) nur halbwegs zuverlässig klappen. Bei einem nicht geringen Anteil der Patienten, bei denen verschiedene Forscher­ gruppen so etwas versucht haben, funktio­ nierte es überhaupt nicht. Ob, wie von Herrn Musk einfach mal so behauptet, eine Erhö­ hung der Anzahl von Elektroden die Fähigkeit der Steuerung wesentlich verbessern kann, ist daher unklar. Forscher imFeld zweifeln dies durchaus an. Das Gehirn ist kein Computer Das Missverständnis von Herrn Musk be­ züglich der Funktionsweise seines BMI beruht ganz wesentlich auf dem Glauben, dass das Gehirn wie ein Computer funktioniert. Diese ComputerMetapher vomGehirn ist weit ver­ breitet, auch das milliardenschwere Human Brain Project baute darauf auf. Dadurch wird die Sache aber nicht richtiger, allenfalls teurer. Ein Computer ist ein Automat, der mittels programmierter Instruktionen Eingaben in strikt determinierte Ausgaben verwandelt. »Das Gehirn hat Programmie- rung und Codes gar nicht nötig, da Kognition „verkörpert“ ist.« Sämtliche Folgen der „Einsichten eines Wissenschaftsnarren“ gibt es unter www.laborjournal.de/rubric/narr MainPartnerProcess 24 to 27 September 2019 | Messe Basel | ilmac.ch Free ticket: ilmac.ch/ticket with PrioCode welcome-ilmac19 Highlights: ILMAC Forum | Cleanroom Control | ILMAC Networking Event and ILMAC Drug Party Platform for Chemistry, Pharmacy and Biotechnology

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