Laborjournal 2019-12

| 12/2019 8 Nachrichten Fokussiert Inkubiert Bibliometrie Wie kann ichmit jedemArtikel 25 Prozent mehr Zitierungen einsammeln? Jedenfalls imSchnitt, und ohne allzu großen Mehraufwand… Hand aufs Herz – das klingt verlockend, oder? Schließlich checkt doch nahezu jeder Forscher regelmäßig sein Zitatekonto. Und wenn dann einer ganze 25 Prozent „Rendite“ verspricht… Ein Rezept, wieman sich diese Rendite„ver­ dienen“ kann, hat ein englisches Team unter demTitel „The citation advantage of linking pu- blications to research data“ auf arXiv verkün­ det ( arXiv :1907.02565v2) – und es ist denk­ bar einfach: Stelle sämtliche Daten, die dei­ nem Paper zugrunde liegen, öffentlich für al­ le zur Verfügung – und schon wirst du dafür ein Viertel mehr an Zitierungen einstreichen. Für ihre Studie nahmen sich die Autoren über eine halbeMillion Artikel vor, die zwischen 1997 und 2018 in 350 Open-Access -Zeitschriften der Verlage Public Library of Science (PLoS) und BioMed Central (BMC) erschienen waren. Etwa ein Drittel davon enthielt sogenannte Data Availability Statements undbeinhaltete somit je­ weils einen Link zu einemRepositorium, in dem die Autoren sämtliche relevante Originaldaten öffentlich zugänglich hinterlegt hatten. Ganz im Sinne von OpenData also. Und siehe da, dieses Drittel wurde nachfolgend im Schnitt um 25 Prozent häufiger zitiert als der Rest der Paper, die keine Daten offengelegt hatten. Schöne Sache, oder? Zumal die Forscher landauf landab dadurch erst recht dazu moti­ viert werden könnten, ihre Daten für die Allge­ meinheit offenzulegen. Sicher, man sollte das Konzept von Open Data eigentlich aus ganz anderen Beweggründen beherzigen als dem schnöden Blick auf sein Zitatekonto. Aber hier kann man es vielleicht einfach mal so stehen lassen, dass über nicht ganz saubere Incentives am Ende dennoch das Richtige gepusht wird. Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. Zumal die Studie der wahren Bedeutung von Zitierzahlen ja eigentlich kein gutes Zeug­ nis ausstellt, wenn man nur ein bisschen ge­ nauer darüber nachdenkt. Schließlich bleibt das publizierte Paper mit den präsentierten Ergebnissen und Schlussfolgerungen ja punkt­ genau dasselbe – ob ich nun die zugrundelie­ genden Daten dahinter offenlege oder nicht. Dennoch bekomme ich alleine dadurch 25 Prozent mehr Zitierungen. Etwa nur, weil die Open Data hinter dem Paper etwas mehr Aufmerksamkeit darauf lenken? Wie auch immer, wenn ich solche Schwan­ kungen durch derart simpleVeränderung einer reinen Rahmenbedingung verursachen kann – dann kann die Zitierzahl eines bestimmten Papers wohl kaum ein direktes Maß für die Qualität der darin beschriebenen Ergebnisse sein. RalfNeumann Mehr Zitate durch Open Data Ministerin Karliczek hat es beschlossen: Wissenschaftskommunikation soll künftig zu den zentralen Aufgaben des Forschers gehören. Im Interview sagte sie gar, dass künftig jeder Förderantrag auch Konzepte zur Kommunikation des betreffenden Pro- jekts beinhalten müsse. Damit ist sie nicht allein. Bereits zuvor wurde etwa auf Twitter proklamiert: „Kom- munikation sollte von Anfang an zur eige- nen Identität als Wissenschaftler dazuge- hören.“ Und wahrscheinlich nickten schon da ziemlich viele Leser dieses Tweets zu- stimmend mit dem Kopf... Was aber sollte noch alles zur „Identi- tät als Wissenschaftler“ dazugehören? Klar, vor allem sollten sie mal gute Forscher sein – und möglichst viele neue Ideen und Er- kenntnisse liefern. Dazu sind sie ja schließ- lich ausgebildet worden. Und gute Lehrer sollten sie auch sein! Was nicht nur heißt, dass sie spannende Vorlesungen und pri- ckelnde Seminare halten sollten. Nein, viel wichtiger ist doch, dass sie die Studenten, Doktoranden und Postdocs in der eigenen Gruppe durch klare Anleitung zu begeister- ten, kreativen und nicht zuletzt auch integ- ren Wissenschaftlern ausbilden. Tja, und dann sind da die vielen „Klei- nigkeiten“, die heute auch noch zum For- schungsbetrieb gehören. Die sollten sie natürlich ebenfalls gut machen – wenn auch eher via Learning on the Job . Also etwa Forschungsanträge und Paper verfas- sen, die Budgets für die Gruppe verwalten, Gutachten für Zeitschriften und Förderor- ganisationen formulieren, sich aktiv in die Selbstverwaltung ihrer wissenschaftlichen Einrichtung einbringen, Aufgaben in Fach- gesellschaften und übergeordneten Gremi- en übernehmen. Und und und... War‘s das? Hmm, nicht wirklich. Die Er- kenntnisse der Forscher sollen ja auch „was bringen“. Zu deren „Identität“ gehören da- her weiterhin: Anwendungen realisieren, Patente beantragen sowie Firmenausgrün- dungen mit auf den Weg bringen. Und ganz analog sollten sie auch jederzeit Poli- tik und Öffentlichkeit mit ihrer gesammel- ten Expertise bei wichtigen Entscheidungs- findungen beratend zur Seite stehen. Puh, und jetzt also nochWissenschafts­ kommunikation. Weil sonst die Fördergel- der stocken könnten. Zwischenfrage: Hat jemand eigentlich noch nicht das Bild von der eierlegenden Wollmilchsau im Kopf? Ralf Neumann Frist entschärft, Gefahr gebannt Gentechnik-Sicherheitsverordnung (GenTSV) In Heft 9/2019 kritisierten wir die geplante Neuordnung der Gentechnik-Sicherheitsver­ ordnung (GenTSV). Der ursprüngliche Entwurf schrieb in §28 allen Projektleitern vor, ihre gentechnische Sachkunde im Fünf-Jahres-Rhythmus unter Beweis zu stellen. Rückwir­ kend! Demnach hätte also jeder, der seinen GenTSV‐Schein vor 2016 erwarb, innerhalb der nächsten 18 Monate an einer entsprechenden Fortbildungsveranstaltung teilneh- men müssen, damit ihm nicht der„Laborführerschein“ aberkannt würde. Diese Gefahr ist gebannt. Die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Gentechnik (LAG) änderte die Neuord- nung im November dahingehend, dass die Frist für die Fünf-Jahres-Auffrischung erst mit ihrem Inkrafttreten ab März 2021 startet. -RN- Illustr.: balancejob.com

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