Laborjournal 2020-4

| 4/2020 42 Wirtschaft SARS-Coronavirus-2 Biotechnologischer Ausnahmezustand Das neue Coronavirus hat die Welt im Griff. Seit Dezember 2019 breitet sich SARS-CoV-2 ungehindert aus, beginnend von der Provinz Hubei in Wuhan (China) – und weckt Erin- nerungen an die SARS ( Severe Acute Respi- ratory Syndrome )-Pandemie von 2002 und 2003. Damals starben am „Schweren Aku- ten Atemwegssyndrom“ weltweit 774 Men- schen. SARS-CoV-2 trifft die Menschen mit ungleich stärkerer Wucht. Bereits in den ers- ten knapp vier Monaten der Pandemie zäh- len die Statistiken mehr als 20.000 Tote welt- weit – ein Ende ist nicht in Sicht. Die menschliche Misere hinter Covid-19 ist tragisch genug. Gleichzeitig ist nicht ab- sehbar, welchen Einfluss die Pandemie auf die wirtschaftliche Situation und Stabilität einzel- ner Staaten und derWeltgemeinschaft haben wird: Die Organisation für wirtschaftliche Zu- sammenarbeit und Entwicklung (OECD) korri- gierte bereits imFebruar ihre Erwartungen für die globaleWirtschaftsentwicklung nach un- ten; die US-Notenbank FED (Federal Reserve) senkt den Leitzins auf fast null Prozent (Stand: 16.03.2020); ihr europäisches Pendant, die Eu- ropäische Zentralbank (EZB), schloss sich dem an; der DAX befindet sich seit Mitte Februar im freien Fall. Das alles sind deutliche Indizi- en dafür, dass sich die globale Ökonomie in einer Krise befindet. Alle blicken auf die Forschung Die Gründe dafür sindmannigfaltig. Durch Reiseeinschränkungen, Grenzschließungen und Ausgangssperren ist die Tourismusbran- che zusammengebrochen. Ebenso betroffen sind Gastronomie und Einzelhandel. Messen und andere Großveranstaltungen wurden ab- gesagt, Schulen und Kindergärten geschlos- sen. Hier brechen reihenweise Arbeitsfelder und – durch die notwendige Betreuung der Kinder auf eigeneVerantwortung – Arbeitneh- mer weg. Fabriken stehen still, insbesondere im Exportland China. Dadurch sind Lieferket- ten unterbrochen, Unternehmen müssen ih- re Produktion einschränken oder einstellen. Und was hat all das mit Laborjournal zu tun? Alle Augen sind momentan auf die for- schenden Institute und Unternehmen gerich- tet, die sich der Pandemie mit unterschiedli- chen Ansätzen nähern: Diagnostische Werk- zeuge ermöglichen eine sichere Identifizie- rung infizierter Menschen, Wirkstoffkandida- ten lassen auf Genesungsunterstützunghoffen und potenzielle Impfstoffe sollen verhindern, dass die Menschen in Zukunft unvorbereitet auf SARS-assoziierte Viren treffen. Täglich gibt es Meldungen zu neuen Stu- dien und Medikament-Kandidaten, ganz zu schweigen von zahlreichen Publikationen, die so schnell wie nie zuvor über aktuelle Forschungsergebnisse informieren – erfreu- licherweise oft schon als Preprint und größ- tenteils frei zugänglich. Bereits in den ersten Monaten des Jahres 2020 zählt die Suchma- schine PubMed 243 Publikationen (Suchbe- griff„SARS-CoV-2“; Stand 16.03.2020) – dazu kommen noch mal mehr, die vor dem Peer Review bereits auf Preprint -Servern bereitge- stellt wurden. Der globale Informationsfluss ist offenbar nicht zu bremsen. Und Informa- tionen sind in diesen Zeiten essentiell, denn nur wenn das Virus verstanden wird, können Therapieempfehlungen ausgesprochen, Qua- SARS-CoV-2 krempelt Bekanntes sowie Bewährtes um und stellt die moderne Menschheit vor eine bisher nie dagewesene Herausforderung. Biotech- und Pharmaunternehmen weltweit versuchen, mit diagnostischen Werk- zeugen, Therapeutika und Impfansätzen der Pandemie Herr zu werden. Hierzulande steht man mit in der ersten Reihe. Foto: Adobe Stock / Alexander

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