Laborjournal 2020-6

| 6/2020 46 Wirtschaft biotech-Förderung in der Corona-Krise Illustr.: AdobeStock / bluedesign Rettungsschirme mit Löchern Ganz Biotech-Deutschland ächzt unter der Corona-Krise. Ganz Deutschland? Nein! Ein elitäres Grüppchen strotzt vor Finanzkraft. Die Kleinen und die Jungen aber bangen ums Überleben. Versprochene Hilfe kommt nur bedingt an. Laborjournal hat nachgefragt. Ende April veröffentlichte der Biotech-Bran- chenverband BIODeutschlandmit demUnter- nehmensberater Ernst & Young (EY) den Bio- technologie-Report 2020 – und der machte Hoffnung: Die Umsätze stiegen 2019 im Ver- gleich zumVorjahr um zehn Prozent, die Zahl der Beschäftigten nahmum16 Prozent zu, und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erreichten bei einem Plus von 21 Prozent sa- genhafte 1,79 Milliarden Euro. Eigentlich ein Grund zum Jubeln. Klar wurde aber auch, dass das Gros des neuen Aufschwungs den großen börsennotierten Unternehmen zu verdanken war – ganz vorne dabei BioNTech (nach erfolg- reichemBörsenstart im Jahr 2019), Morphosys oder Qiagen. Die Kleinen, die Biotech-KMUs, tragen nur wenig zum Erfolg bei. Die Lage ist nicht rosig Siegfried Bialojan, Studienautor und Lei- ter des deutschen Life Science Centers von EY, bringt es in der Pressemitteilung zum Report auf den Punkt: „Wieder einmal zeigt sich das alte Problem, dass Kapital vor allem einzel- nen Leuchttürmen zu Gute kommt – nach Ab- zug der Ausnahmefinanzierungen bleibt für die Gesamtbranche nur ein eher bescheide- ner Betrag übrig.“ So ist dasWachstumder ak- tiven Biotechfirmen mit mickrigen drei Pro- zent bei 668 Unternehmen insgesamt kaum bemerkenswert und bedeutet nichts ande- res, als dass neben den hochgelobten 29 Neu- gründungen auch 2019 wieder zahlreiche Fir- men die Segel strichen. Nun wurde der Biotechnologie-Report in- mitten der wohl größtenwirtschaftlichen Krise Deutschlands der vergangenen siebzig Jahre veröffentlicht. Da muss trotz der Erfolgsmel- dungen die Frage erlaubt sein, wie gut unsere Biotech-Branche diese Krise überstehen wird. Der Deutsche Industrieverband für Optik, Photonik, Analysen- undMedizintechnik SPEC- TARIS hatte„seine“ Unternehmen aus der Ana- lysen-, Bio- und Labortechnik nach ihren Zu- kunftsprognosen befragt. Von denen sahen 57 Prozent eine „insgesamt verschlechterte Ge- schäftslage“. Als Gründe gaben sie an: Gerin- gere Produktnachfrage und Personalengpässe. Auch in den Gesprächen, die Laborjournal in denvergangenenMonatenmit Biotech-Firmen führte, klang mal mehr, mal weniger deutlich durch, dass die Lage wegen der Corona-Krise gerade alles andere als rosig sei. Einige klag- ten über ausbleibende Aufträge, andere über fehlende Rohstoffe oder Produktabnehmer. Aber zum Glück gibt es ja zahlreiche fi- nanzielle Rettungspakete, die der Bund be- reits zügig nach Ausbruch der Corona-Pande- mie über demgesamten Land abwarf. Ein Au- genmerk lag klar auf der aktuellen Forschung rund umdas Coronavirus SARS-CoV-2. Auf den Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) können wir nachlesen, dass Deutschland 140 Millionen Euro zusätz- lich für die internationale Impfstoff-Initiative CEPI ( Coalition for Epidemic Preparedness Inno- vations ) bereitgestellt hat; davon profitieren beispielsweise dieTübinger Vakzin-Entwickler von CureVac, die just im Januar 2020 weitere 8,3 Millionen US-Dollar aus demCEPI-Topf er- hielten. Weitere 15 Millionen Euro gingen in einen Förderaufruf zur Entwicklung von Me- dikamenten gegen COVID-19 wie auch zum besserenVerständnis des Virus. Und nochmals 1,5 Millionen Euro flossen in die Medikamen- tenstudie Solidarity derWeltgesundheitsorga- nisation WHO, um Wirkstoff-Kandidaten wie zum Beispiel Remdesivir oder die HIV-Kom- bination Lopinavir/Ritonavir auf deren Wirk- samkeit gegen SARS-CoV-2 zu testen. Auf all diese Töpfe dürfen sich große und kleine Fir- men bewerben – so sie denn etwas mit SARS- CoV-2 zu tun haben. Und dann gibt es ja noch die Soforthilfen für Selbstständige und Kleinunternehmer so- wie längerfristige Kreditangebote, die selbst- verständlich auch Biotech-Firmen in Anspruch nehmen können. Da sollte doch für jeden et- was dabei sein. Oder etwa nicht?

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