Laborjournal 2020-9

| 9/2020 54 Wirtschaft Start(-up)-Schwierigkeiten in der Biotech-Branche Preiswürdiges Gründen oder Gründen um jeden Preis? Unterfördert oder verhätschelt? Mickrig vor sich hindümpelnd oder strahlender Leuchtturm? Die Meinungen zu deutschen Biotech-Start-ups gehen auseinander. Einigkeit herrscht aber in einem Punkt: Da geht noch was. Ein Überblick rund um Spin-offs, Transferstellen, staatliche Förderung, (nicht oder nur wenig vorhandenes) Risikokapital und – Biotech-Zombies. Wissen Sie noch – damals? DerWissenschaftler im Elfenbeinturm? Grundlagenforschung um des Forschens Willen, allein für den Erkennt- nisgewinn? Die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur, dass Forscher heute einen Großteil ihrer Zeit damit verbringen, Drittmittelanträge zu stellen, um ihre eigene Stelle und die von Mitarbeitern zu sichern. Nein, seit vielen Jahren müssen Forscher auch etwas Konkretes und Greifbares für die Gesellschaft tun: anwend- bare Technologien hervorbringen und diese in Form von Spin-offs und Start-ups auf den Markt schmeißen. Das ist (auch) der Wunsch der Bundesregierung, die für angehende und junge Biotech-Unternehmen ein Förderkon- strukt nach dem anderen aus dem Hut zau- bert, zum Beispiel GO-Bio oder KMU-Innova- tiv des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie High-Tech-Gründer- fonds, EXIST-Gründerstipendium oder Zen­ trales InnovationsprogrammMittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Das BMWi zeigt sich zufrieden: 668 Bio- tech-Unternehmen ergab die letzte Zählung in Deutschland, 23 davon börsennotiert, so- wie fast eine Verdopplung der Beschäftig- tenzahl seit 2015 auf mittlerweile mehr als 33.000. Dem„Biotechnologie-Report 2020“ zu- folge stiegen zuletzt auch Umsatz (plus zehn Prozent imVergleich zumVorjahr) sowie For- schungs-und-Entwicklung-Ausgaben (plus 21 Prozent) erneut. Allerdings geht das Gros die- ser Zuwächse auf das Konto großer Unterneh- men wie Qiagen, Evotec oder BioNTech. Etwa neunzig Prozent der deutschen Biotech-Un- ternehmen aber haben weniger als fünfzig Angestellte, fast jede zweite Firma beschäf- tigt sogar weniger als zehn Mitarbeiter. Hier dürften Millionen-Umsätze und ebensolche Investitionen in Forschung und Entwicklung utopisch sein. Woran liegt‘s? Forschen dieWissenschaft- ler nicht anwendungsorientiert genug? Der Leiter des Ernst & Young Life Sciences Cen- ters für Deutschland, Schweiz und Österreich, Siegfried Bialojan, kritisierte im April 2020: „[Es] kommen zu wenig PS der Forschungsak- tivität effektiv auf die Straße. Und das nicht, weil die Branche zu wenig Gas gibt – im Ge- genteil, die hiesige naturwissenschaftliche Forschung genießt ihren ausgezeichneten Ruf zu Recht. Doch was nützen die besten Ideen, wenn sie im Verborgenen bleiben?“ Es wird also nicht genug gegründet; 2019 waren es 29 Firmen. Geld sei genug da, schreibt Bialojan, aber es finde seinen Weg nicht an die richtige Stelle. Abhilfe könne ei- ne professionelle Translation bieten. Ziel sei die Begleitung grundlagenwissenschaftlicher Forschungsprojekte aus dem Labor bis zur Ausgründungsreife beziehungsweise bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Technologie oder Start-ups & Biotech-Zombies

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