Laborjournal 2020-10

| 10/2020 46 WirTsCHaFT Centogenewurde imJahr 2006 von demNeu- rologen Arndt Rolf gegründet und widmete sich ursprünglich der Diagnose seltener ge- netischer Erkrankungen. Bereits seit dem 18. März bietet die Rostocker Firma auch Coro- na-Tests an. Ende Juni eröffnete die Firma dann in Frankfurt die erste Corona-Teststation auf einemdeutschen Flughafen. Mittlerweile sind noch Hamburg und Düsseldorf dazugekom- men, außerdem die Bahnhöfe München und Nürnberg. Centogene sammelt aber nicht nur Pro- ben, sondern analysiert sie auch – und hat da- mit den gesamten Prozess von Probennahme bis Befundmitteilung unter einemDach. Allein in Frankfurt prozessierte Centogene bis An- fang September 166.000 Proben, von denen 0,9 Prozent positiv waren. Etwa 102.000 der getesteten Menschen fielen in das vom Bund geförderte Rückkehrerprogramm. Wer das Er- gebnis etwas schneller haben wollte, hatte es für 139 Euro bereits nach vier bis sechs Stun- den schwarz auf weiß. Statt aber die Proben an zertifizierte Labo- re weiterzureichen, gründete Centogene im März 2020 kurzerhand die Dr. Bauer Labora- toriums GmbH, mit deren Chief Genomics Of- ficer (CGO) Peter Bauer als ärztlichem Leiter. So wurden alle regulatorischen Anforderun- gen erfüllt (siehe hierzu auch unser Interview mit Christian Drosten ab Seite 16) – und Cen- togene beziehungsweise Dr. Bauer Laborato- riums liefern seitdem auch die medizinischen Befunde der Analysen. In den letzten Wochen hat Centogene mehr und mehr Testzentren übernommen. Vielleicht haben die Rostocker hier also ein zweites Standbein aufgetan und überziehen Deutschland bald mit einem Netzwerk von Testzentren. Denn offenbar funktionieren ja die Abläufe. Warum das so ist, erklärt Peter Bau im folgenden Gespräch: LJ: Herr Bauer, Centogene ist eigentlich ein Diagnostikunternehmen für seltene an- geborene Krankheiten. Jetzt testen Sie – unter anderem an den Flughäfen Frank- furt, Hamburg und Düsseldorf – auf SARS- CoV-2. Warum? peter Bauer » Im Frühjahr war ziemlich schnell klar, dass wir ein signifikantes Problem bei der Diagnostik vonnicht-symptomatischen Infizierten habenbeziehungsweise habenwer- den. Also haben wir uns daran gemacht, ent- sprechende Kapazitäten zu schaffen. Schließ- lich ist es eine gesellschaftliche Herausforde- rung, dass unsereWirtschaft auch in der Pan- demie weiter funktioniert. Und dazu zählen auch private und geschäftliche Reisen. Davon waren wir bei Centogene ja selbst betroffen. Nicht zuletzt deshalb haben wir schon früh angefangen, präventiv zu testen – und ma- chen es bis heute. Auch an den Flughäfen testet Centogene hauptsächlich Menschen ohne Symptome. Ist das sinnvoll? Bauer » Auf jeden Fall. Zu Beginn der Pan- demie hatten die meisten infektiösen Men- schen gar nicht den Eindruck, krank zu sein. Wir hatten es mit einer weitestgehend symp- tomlosenVirusverbreitung zu tun. Gerade jun- ge Menschen hatten oft einenmildenVerlauf, waren aber Überträger. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wenn jemand infiziert ist – insbe- sondere wenn er keine Symptome zeigt. Mitt- lerweile wird sehr viel mehr getestet und es werdenmehr Infizierte entdeckt. Das ist –mei- ner Meinung nach – der richtige Ansatz. Nur so lassen sich Infektionsketten früh identifi- zieren und ohne großen Aufwand unterbre- chen. Über Tests kann man das gut steuern. Seit August wurde deutlich mehr getes- tet. Für Reiserückkehrer aus Risikogebieten ist der Corona-Test verpflichtend, für an- dere war er bis zum 15. September kosten- „Die Corona-Krise hat gute Ideen freigesetzt“ im GespräCH: peTer Bauer, CenToGene In den letzten Wochen hat das Diagnostik-Unternehmen Centogene mehr und mehr Corona-Testzentren übernom- men. Wie und warum das bei ihnen so gut funktioniert, erklärt deren Chief Genomic Officer (CGO) Peter Bauer. Peter Bauer hat Medizin in Frei- burg und Berlin studiert. Nach ei- nem Abstecher in die Neurologie machte er 2006 seinen Facharzt für Humangenetik und leitete das mo- lekulardiagnostische Labor am In- stitut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik des Univer- sitätsklinikums Tübingen. Seit 2016 ist er Chief Genomic Officer (CGO) bei Centogene. Foto: Centogene

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