Laborjournal 2021-01

| 1-2/2021 46 Wirtschaft Keine Moulinette Firmenporträt: Fast Forward Discoveries, Mannheim Ist es eine gute Idee, im unsäglichen Coro- na-Jahr 2020 ein Biotech-Start-up zu gründen? Manch einer hat sich das sicherlich noch ein- mal überlegt. In Mannheim lässt Felix Dirla aber keinen Zweifel daran, dass die Entschei- dung die richtige war. Mit seinen Mitstreitern und der TissueGrinder-Technologie imGepäck gründete er im Mai die Firma Fast Forward Discoveries – oder kurz FFX. Bis dahin war es aber ein weiter Weg. „Ich bin von Haus aus Biologe, auch wenn meine damaligenKommilitonen immer gesagt haben, ich wäre der unbiologischste Biologe, den sie kennen“, erinnert sich der Fünfzigjäh- rige schmunzelnd an seine Studienzeit. Kon- sequenterweise absolviert er seine Diplom- arbeit zwar zumThema Abwasserreinigung – das klingt schon noch recht biologisch –, aber mit einem – wie er betont – äußerst bioinfor- matischen Touch. Sechs Jahre lang verdingt er sich dann in der Softwareentwicklung und IT-Beratung, zuletzt in Jakarta. 2003 zieht es Dirla wieder nach Deutschland. Bei BioSciTec in Frankfurt am Main kommt er erneut mit der Biologie in Kontakt und entwickelt unter anderem Auswertungssysteme für diagnos- tische Teststreifen. In den folgenden Jahren wird BioSciTec – auch mit Dirla als Mitgesell- schafter und Geschäftsführer – auf dieseWeise zumzertifiziertenMedizinprodukte-Hersteller. Diese Erfahrungen, sagt Dirla, würden ihm jetzt bei Fast Forward Discoveries helfen. Aber wie kam er von BioSciTec zu FFX? Zerhäckseln, wie man‘s braucht Im Jahr 2017 macht Dirla sich als Berater selbstständig und durchstreifte die einschlä- gigen Messen. Auf der MEDICA in Düsseldorf trifft er auf ein Gemeinschaftsprojekt dreier Fraunhofer-Institute – darunter das Mannhei- mer Fraunhofer-Institut für Produktionstech- nik und Automatisierung (IPA) – zur Diagnose vonTumoren inLymphknoten. Dafür hattendie Forscher ein Gerät entwickelt, welches Tumor- proben in Einzelzellen zerlegt, die dann auto- matisiert ausgewertet werden können. Dieser Apparat wird der Prototyp des TissueGrinders. Zahllose Gespräche und Überlegungen später reift die Idee, diese Technologie als Spin-off des Fraunhofer IPA auszugründen. Gesagt, getan. Als Geschäftsführer konzent- riert sich Felix Dirla seitdem ganz auf das jun- ge Unternehmen. Gemeinsam mit Mitgrün- der, Entwicklungschef und Ex-IPA-ler Stefan Scheuermann ist er aktuell die gesamteMann- schaft von Fast Forward Discoveries. Aber das soll sich 2021 ändern. Der dritte Mitgründer, Jens Langejürgen, gesellt sich als Forschungsbeauftragter, oder Research Liaison Officer , locker zum FFX-Ma- nagement. Langejürgen arbeitet als stellver- tretender Abteilungsleiter am Fraunhofer IPA in Mannheim und ist somit das Bindeglied zur angewandten Forschung. Das ist äußerst praktisch, denn so kann die Firma weiterhin auf die Forschungs- und Fertigungsressour- cen des Instituts zurückgreifen. Zudem ist es dahingehend hilfreich, als dass Fast Forward Discoveries ohne Förderun- gen und Fremdkapital ins Gründerleben ge- startet ist. Vom Fraunhofer-Förderprogramm für Ausgründungen AHEAD kam zwar Schüt- zenhilfe, das Kapital brachten aber allein die Gründer mit in die Firma. Angst davor, viel Die drei Gründer Stefan Scheuermann, Felix Dirla und Jens Langejürgen (v. li. n. re.) Fotos (3): Fast Forward Discoveries Mit dem TissueGrinder haben die Neugründer von Fast Forward Discoveries eine Technologie entwickelt, die schnell und kontaminationsgeschützt Einzelzellen aus Gewebeproben isoliert. Und das ganz ohne enzymatischen Verdau.

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