Laborjournal 2021-03

| 3/2021 46 Special: Virologie Seit über einem Jahr spricht dieWelt fast nur noch über Corona, SARS-CoV-2 und COVID-19. Während zu Beginn der Pandemie noch viel über mögliche Therapien undWirkstoffe dis- kutiert wurde, wandelte sich das Interesse al- lerdings bald. Das Ziel war: Impfung. Auch in Deutschland wurden Impfstoff-entwickelnde Firmen mit staatlichen Finanzhilfen und Pri- vatkapital überschüttet. Es hat sich gelohnt, keine Frage. In weniger als zwölf Monaten ha- ben Biontech/Pfizer & Co. geliefert. Aber war da nicht noch was? Sind Impfungen wirklich das Allheilmittel gegen Corona? „Es fand eine starke Fokussierung auf Impf- stoffe statt“, beklagt auch Andreas Herrmann. Firmen, die therapeutische Ansätze verfolg- ten, seien vernachlässigt worden, vor allem finanziell. Dabei könne das Eine nicht ohne das Andere, ist er überzeugt. Seit Juni 2020 ist der promovierte Biochemiker Geschäftsführer beim Braunschweiger Start-up CORAT Thera- peutics. Was CORAT macht, verrät schon der Name: CORona Antibody Technology . CORATs Waffe gegen COVID-19-Erkran- kungen heißt COR-101 – letztlich ein Gemein- schaftsprojekt vieler Beteiligter. Initiiert ha- ben es Stefan Dübel und Michael Hust, bei- de Professoren an der Technischen Universi- tät Braunschweig. Die Matrize für COR-101 haben die Forscher aus dem Blut genesener COVID-19-Patienten isoliert. „Das Konzept wurde im März 2020 geboren und dann in Lichtgeschwindigkeit umgesetzt“, erinnert sich Herrmann. Im Hamster sehr effektiv Hilfe erhielten sie vom ebenfalls in Braun- schweig ansässigen Antikörper-Entwickler Yumab, zu dessen Gründern übrigens sowohl Dübel als auch Hust gehören. Schnell wurde klar, dass es für dieWeiterentwicklung ein ei- genes Unternehmen mit entsprechender Fi- nanzierung braucht. So wurde im Mai 2020 CORAT gegründet, finanziert von drei Privat­ investoren und der niedersächsischen NBank. Aktuell arbeiten fünf Menschen beimYu- mab-Spin-off, zumindest auf demPapier. Denn das Netzwerk reicht weiter und umfasst nicht nurYumab und die Forschenden der TUBraun- schweig, sondern auch helfende Hände vom Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Expe- rimentelle Medizin (ITEM) in Braunschweig. Zusätzlich erhielt das Projekt Unterstützung von der Bayer AG. „So war es möglich, dass bereits nach neun Monaten ein fertiges Pro- dukt vorlag – ein Prozess, der sonst auch gerne mal zwei bis drei Jahre dauert“, sagt Hermann. COR-101 ist einmonoklonaler Antikörper, der an SARS-CoV-2 bindet und dadurch des- sen Aktivität einschränkt. Genauer gesagt setzt sich der Antikörper auf die Spike- Proteine des Coronavirus. Dadurch verhindert er, dass SARS- CoV-2 an den menschlichen Rezeptor ACE-2 binden kann. Keine Bindung, kein Eindringen in die Zelle, keine Vermehrung. In vitro und im Tiermodell überzeug- te COR-101 auf ganzer Linie. Wurden COVID-19-symptomatische Hamster mit dem Antikörper behandelt, erholten sie sich von der Erkrankung innerhalb von zwei Tagen; die unbehandelte Kontrollgruppe benötig- te fünf Tage länger. Zudem konnten die For- scher nachweisen, dass COR-101 drei Tage nach der Behandlung den Virus-Titer in der Hamsterlunge auf unter ein Prozent drücken konnte – wiederum verglichen mit einer un- behandelten Kontrollgruppe. Auch Regeneron und Eli Lilly haben bereits neutralisierendeAntikörper gegen SARS-CoV-2 auf den Markt gebracht (siehe LJ 11/2020: 55) . In den USA gab die Zulassungsbehörde FDA für beide bereits grünes Licht, beim europä- ischen Pendant EMA ziert man sich noch ein wenig. Ende Januar kaufte die Bundesregie- rung trotzdem schon teuer ein und sicherte sich Antikörper-Dosen beider US-Firmen. Ob Wenn Menschen bereits an COVID-19 erkrankt sind, hilft kein Impfstoff mehr. Das ist die Zeit der heilenden Wirkstoffe. Das Braunschweiger Start-up CORAT Therapeutics hat mit COR-101 einen therapeutischen Antikörper entwickelt, der viele „Kinderkrankheiten“ und Einschränkungen bereits zugelassener Pendants umgeht. Das Eine nicht ohne das Andere Firmenporträt CORAT Therapeutics, Braunschweig Unten: CORAT-Mitgründer Stefan Dübel zeigt ein Röhrchen, das die Baupläne von Milliarden unterschiedlichen Antikörpern enthält. Aus einer solchen Bibliothek fischte das CORAT-Team auch den monoklonalen Antikörper COR-101, der an das Spike -Protein von SARS-CoV-2 bindet . (Foto: Jörn Josewski /TU Braunschweig) Rechts: CORATs Geschäftsführer Andreas Herrmann (Foto: Celonic)

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