Laborjournal 2020-7

| 7-8/2020 38 Essay Es ist Ende Mai und wir sitzen in einem Café. Unter normalen Umständen wäre das nicht erwähnenswert. Doch es sind keine norma- len Umstände. Berlin, Deutschland und mehr oder weniger die ganzeWelt befinden sich im Lockdown . In fast allen Städten, Ländern und Kontinenten hat sich eine globale Pandemie ausgebreitet und Ausgangssperren wurden verhängt. Dem anfänglichenWettbewerb um die striktestenMaßnahmen (Südafrikawar vor- nemit dabei) folgt nun einWettbewerb umdie schnellste Lockerung (Stand 31. Mai scheint Thüringen zu gewinnen [1] ). Mit derWelt hat sich auch dieWissenschaft gewandelt: Sie ist geradezu aus ihrer Haut ge- fahren, könntemanmeinen. Virologinnen und Virologen sind in allenTages- undWochenzei- tungen porträtiert. Alle, und wirklich alle an- deren Disziplinen forschen nun auch an und umSARS-CoV-2.Wennman Forscherinnenund Forscher auf den digitalen Zoom-Fluren ihrer Büros und Labore antrifft, weiß jede und jeder von einemneuen COVID-19-Projekt zu berich- ten. Man könnte fast meinen, in der Wissen- schaft sei einWettkampf um die meisten CO- VID-19-Förderanträge in möglichst weit ent- fernten Fachbereichen entstanden. (Nach un- serer Meinung gewinnt hier die Idee, Homöo- pathie zur COVID-19-Prophylaxe zu verwen- den [2] ). Auf der Seite der Forschungsförderer scheint ein ähnlicher Wettbewerb stattzu- finden: So hat beispielsweise das Bundesmi- nisterium für Bildung und Forschung (BMBF) ein 150-Millionen-Euro-Förderpaket für die COVID-19-Forschung allein in der deutschen Universitätsmedizin aufgelegt [3] . Gleich da- rauf hat die EU sogar 7,4 Milliarden für CO- VID-19-Forschung und Entwicklung verkün- det [4] . Der Forschungsapparat läuft folglich auf Hochtouren, allein imMai wurden rund 4.000 Artikel proWoche zu COVID-19 publiziert [5] . Ist das gut? Nun, es gibt gute und schlech- te Seiten. Immerhin befindenwir unsmitten in einer Pandemie von globalem Ausmaß. Sie betrifft Die Corona-Pandemie brachte Überraschungen, die noch vor wenigen Monaten schwer vorstellbar waren. Alles scheint sich schnell zu ändern – sogar die Welt der Wissenschaft, die sonst nicht gerade für besondere Dynamik bekannt ist. Ein genauer Blick lohnt sich also: Wie hat die Pandemie die Forschungslandschaft verändert? Und noch wichtiger: Was können wir daraus lernen? Mehr Transparenz wäre beispielsweise nicht schlecht. Von Peter Grabitz und Benjamin Carlisle, Berlin Von Pandemien lernen, um die Wissenschaft zu verbessern Foto: Pixabay/Carol-Ann Bussières; Montage: LJ

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