Laborjournal 2020-12

| 12/2020 34 Wirtschaft Im Jahr 2020 ist alles anders. Auch Messeveranstaltungen wie die analytica , logischerweise. Umso spannender, ob und wie es die große Labormesse geschafft hat, das Konzept aus der Halle in virtuelle Sphären zu transferieren. Ein Spaziergang über die analytica virtual . Analytica analysiert Ein virtueller Besuch auf einer digitalen Messe Hereinspaziert in die digitale analytica virtual ... Diese Ruhe. Tiefenentspannt finde ich mich vor dem Eingang Ost des Messegeländes München wieder. Zur Linken hängen dun- kel-magentafarbene Fähnchen mit dem ana- lytica -Emblem. Über den Eingangstüren be- grüßt mich ein übermannshohes Schild:„Herz- lich willkommen!“ Na dannmal hinein ins Ver- gnügen. Schließlich bin ich nur noch einen Schritt entfernt vom„weltgrößten Branchen- treffpunkt“. Genauer: Einen Klick. Denn erst- malig in ihrer 52-jährigen Geschichte präsen- tiert sich die analytica rein in Einsen und Nul- len: analytica virtual 2020. Eigentlich hätte alles sein können wie im- mer. Alle zwei Jahre – brav imWechsel mit der Hannoveraner Labvolution , früher Biotechni- ca – präsentieren auf demMünchener Messe- gelände Hersteller von Labortechnik, Analy- tik und Biotechnologie ihre neuen oder nicht ganz so neuen Produkte undDienstleistungen. Eigentlich ein fixerTermin für alle Branchen-As- soziierten. Dieses Jahr hatte die Messe Mün- chen vom31. März bis zum3. April eingeladen. Eigentlich. Doch statt nationaler und interna- tionaler Aussteller meldete sich SARS-CoV-2 an. Und so fielen in diesem Frühjahr nicht nur Millionen Schulstunden und Sportveranstal- tungen, Konferenzen und Kindergeburtstage insWasser – sondern eben auch die analytica . Irgendwann war jedoch klar: Es wird sie dieses Jahr dennoch geben, aber eben virtu- ell. Fünf Tage, rund um die Uhr: 268 Ausstel- ler aus 24 Ländern, 323 virtuelle Messestän- de, Live-Kontakte zu den Ausstellern, mehr als 300 Fachvorträge. Quasi 120 Stunden ge- balltes Messeerlebnis! So kam es, dass der Laborjournal -Redak- teur eine Reporterin aussandte, um sich einen Überblick zu verschaffen, über dieses Experi- ment, über die Aussteller – und überhaupt. Kein Drängeln. Wie angenehm! Also stehe ich eines Montagmorgens, ge- nauer am 19. Oktober, vor dem Eingang Ost desMessegeländesMünchenundbegehre um Einlass. Das heißt, eigentlich sitze ich – ich sit- ze auf meinem Bürostuhl und schaue auf ein Bild des Osteingangs, vor dem ein pulsieren- der weißer Kreis mich zum Klicken auffordert. Bis dorthin zu kommen, war nicht so ein- fach, denn vor dem kostenlosen Eintritt muss- ten sich alle Besucher registrieren. Meine be- ruflich genutzte E-Mail-Adresse war allerdings nicht Formular-kompatibel und wurde kon- sequent ignoriert. Außerdem war der Mes- se-PlattformmeinWebbrowser nicht genehm. Die Reporterin vonWelt hat aber glücklicher- weise Ausweichmöglichkeiten parat, und so finde ich mich alsbald neben zahlreichen Re- torten-Besuchern in der Lobby der Messe- halle. Der Info-Point lockt mit einemMesse-Er- klärvideo, dreiWegweiser nach links führen zu denVorträgen, der analytica conference sowie der Ausstellung„ Digital Transformation “; nach rechts geht‘s zu den Aussteller-Ständen, Pro- duktneuheiten und Start-ups. Einige Ausstel- ler – vermutlich die mit dem dicksten Geld- beutel – durften die Lobby mit ihren Schrift- zügen schmücken. Alles gibt sich heimelig und geordnet. Und so angenehm ruhig. Kein Drängeln, kein„Ent- schuldigung, darf ichmal vorbei?“, kein Dauer- gemurmel. Einwenig irritierend sind allerdings die anderen Messebesucher. Denn einige se- hen eher aus wie Senioren auf demWeg zum Taubenfüttern. Selbst eine Familie mit Kinder- Fotos (3): Messe München

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