Laborjournal 2021-06

| 6/2021 64 Karriere Die Corona-Pandemie hat ganzeWirtschafts­ zweige vorübergehend auf Eis gelegt – und wer am Ende finanziell wieder auf die Beine kommt, ist ungewiss. Genauso we- nig machen die Auswirkungen Halt vor der Karriereplanung junger Menschen.Werfenwir daher einen Blick auf die spezielle Situation von Nachwuchsforschern, die vom Labor ins Homeoffice umziehen mussten und dort na- türlich nur eingeschränkt oder gar nicht an ihren Projekten arbeiten konnten. Klar, unser Fokus liegt auf Doktoranden und Postdocs der Lebenswissenschaften, aber letztendlich stellt die Pandemie auch andere Disziplinen vor gro- ße Herausforderungen. Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) begann 2018 mit der Career Tracker Cohorts Study ein Projekt, um die Karrierewe- ge von Forschern und den Einfluss von För- derungen zu evaluieren (careertrackercohorts. ch) . Im Herbst 2020 gab es eine Umfrage un- ter Postdocs, die mit einemMobilitätsstipen- dium des SNF finanziert sind. Die Antworten von 303 Befragten konnten ausgewertet wer- den, und die Ergebnisse haben die Studien- leiterinnen um Andrea Erzinger vom Interfa- culty Centre for Educational Research (ICER) der Uni Bern Ende März in einemBlog-Beitrag auf nccr-onthemove.ch vorgestellt. Wie zu erwarten gaben die Befragten an, 2020 mehr von zu Hause aus gearbeitet zu haben als vor der Pandemie. ImDurchschnitt fühlten sich die Jungforscher weniger produk- tiv, obwohl sie mehr Zeit in ihre Arbeit inves- tierten. Auf weniger Arbeitszeit als zuvor ka- men jene, die imLockdown nebenher noch ih- re Kinder betreuen mussten. Weiterhin schät- zen die meisten Studienteilnehmer ihre Karri- erechancen durch die Folgen der Corona-Pan- demie als schlechter ein. Abgesagte Konferen- zen, geschlossene Labore und eingefrorene Projekte sowie Kooperationen wurden in die- semZusammenhang angegeben. Die Befrag- ten meldeten zurück, dass sie deutlich weni- ger publiziert hätten als zuvor geplant. Aller- dings war der Pessimismus bei Biologen und Medizinernweniger stark ausgeprägt, und na- türlich waren diejenigen, die an COVID-19 for- schen, weniger besorgt um ihre Zukunft als andere Nachwuchswissenschaftler. Lockdown und Kontaktbeschränkungen haben auch so manches Labor lahmgelegt. Für Nachwuchsforscher kann das die berufliche Karriere bedrohen, etwa wenn Stipendien oder Arbeitsverträge nicht verlängert werden. Ausgerechnet mit EU-Förderung kann man hier in eine besondere Klemme geraten. Nachwuchs in Not Forschungsförderung in Zeiten von Corona Illustr.: Juliet Merz

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